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Anleitungen zum Selbermachen

Diese Datei sammelt die typischen Schrauberarbeiten an der Yamaha SR125 (Modellcode 3MW5, Modelljahr 1996) als kurze Schritt-für-Schritt-Anleitungen. Die SR125 ist ein ideales Selbermach-Motorrad: keine Verkleidung, ein Zylinder, ein Vergaser, Kette, Trommelbremse hinten. Fast alle Wartungsarbeiten gelingen mit normalem Werkzeug und wenigen Spezialteilen.

Alle Werte stehen metrisch und in US-Einheiten, in deutscher Zahlenschreibweise. Die Werte stammen aus den Systemdateien dieser Dokumentation, die ihrerseits vor allem auf dem Yamaha-Werkstatthandbuch SR125 3MW-AE1 (Modelljahr 1997, 3MW6) beruhen. Wo eine Systemdatei eine vollständige Anleitung enthält, steht hier nur die Kurzfassung mit Link. Maßgeblich sind die Systemdateien; Wartungsintervalle folgen in Wartungsplan, Betriebsstoffe & Füllmengen, die Drehmoment-Gesamttabelle in Anzugsdrehmomente.

1996 ist nicht 1997: Vergaser, Elektrik, Vorderradbremse, Vorderrad und einige Kleinteile der 3MW5 unterscheiden sich vom Handbuch-Modell 3MW6 (siehe README → Unterschiede zu anderen Baujahren). Ersatzteile deshalb immer nach Modellcode (Label unter der Sitzbank) und Teilenummer bestellen, nicht nach Modelljahr.

Achtung — Sicherheit zuerst: Motorrad nur auf ebenem, festem Boden und auf dem Hauptständer bearbeiten. Arbeiten an Kraftstoff nur bei kaltem Motor, gut belüftet, ohne offenes Feuer. Bremsflüssigkeit greift Lack an. Nach jeder Arbeit an Bremsen, Rädern oder Lenkung vor der ersten Fahrt eine Funktionsprüfung im Stand machen.

Siehe auch: Übersicht & Identifikation · Motor · Kraftstoffsystem · Zündanlage · Ladesystem & Batterie · Bordnetz, Kabelbaum & Sicherungen · Beleuchtung & Instrumente · Kupplung · Getriebe · Sekundärantrieb (Kette) · Vorderradfederung & Lenkung · Hinterradfederung · Bremsen & Hydraulik · Räder & Reifen · Rahmen, Fahrgestell & Anbauteile · Typische Probleme & Kaufberatung


Inhalt

  1. Werkzeug & Verbrauchsmaterial
  2. Übersicht: Schwierigkeit & Zeitbedarf
  3. Vorbereitung: Aufbocken, Seitendeckel, Sitzbank, Tank
  4. Motoröl & Ölfilter wechseln
  5. Ventilspiel prüfen & einstellen
  6. Steuerkettenspanner einstellen
  7. Zündkerze prüfen & wechseln
  8. Luftfilter reinigen
  9. Vergaser reinigen & Leerlauf einstellen
  10. Grundeinstellung nach einer Vergaserüberholung
  11. Kette: prüfen, spannen, schmieren, wechseln
  12. Bremsbeläge vorne wechseln
  13. Bremsbacken hinten wechseln
  14. Vorderradbremse entlüften & Bremsflüssigkeit wechseln
  15. Gabelöl & Simmerringe
  16. Lenkkopflager einstellen
  17. Reifen & Schlauch wechseln
  18. Batterie pflegen, laden, tauschen
  19. Lampen wechseln
  20. Tachowelle schmieren & wechseln
  21. Kupplungszug einstellen & wechseln
  22. Gaszug einstellen & wechseln
  23. Benzinhahn-Sieb & Absetzbecher reinigen
  24. Rost im Tank entfernen
  25. Einwintern
  26. Erster Start nach langer Standzeit
  27. Was in die Werkstatt gehört

1. Werkzeug & Verbrauchsmaterial

1.1 Grundausstattung

Werkzeug Wofür Hinweis
Steckschlüsselsatz ¼" und ⅜" (metrisch, 8–22 mm / 0,31–0,87 in) mit Verlängerung fast alle Schrauben Schlüsselweiten am eigenen Fahrzeug prüfen ⚠️ (im Handbuch-Auszug nicht vollständig angegeben). Die allgemeine Yamaha-Tabelle ordnet M6–M16 die Schlüsselweiten 10–22 mm (0,39–0,87 in) zu, M14 (Achsen) also 19 mm (0,75 in) ⚠️ (19); für die große Ölablassschraube M35 ist keine Schlüsselweite belegt ⚠️ — sie liegt außerhalb eines 8–22-mm-Satzes
Ring-Maulschlüssel 8–22 mm Kontermuttern, Achsen für Kontermuttern an Einstellern zwei Schlüssel nötig
Zündkerzenschlüssel 18 mm (0,71 in) NGK DR8EA im Bordwerkzeug; eine 18-mm-Kerzennuss mit Gummieinsatz ist bequemer
Drehmomentschlüssel 2–25 N·m (1,5–18 ft·lb) und 20–100 N·m (15–74 ft·lb), dazu für Kleinstwerte 1–10 N·m (9–89 in·lb) alle Anzugsmomente kleine Momente (2–14 N·m / 1,5–10 ft·lb) nie „nach Gefühl“ mit großem Schlüssel. Die Kleinstwerte 1,5–3 N·m (1,1–2,2 ft·lb) (Ventil-Kontermutter, Speichen, Behälterdeckel, Tachowelle) liegen am unteren Ende eines 2–25-N·m-Schlüssels, wo er ungenau ist: einen Schlüssel 1–10 N·m (in·lb-Skala) verwenden oder handfest anziehen
Kreuzschlitz-Schraubendreher PH2/PH3, Schlitzschraubendreher Vergaser, Instrumente, Streuscheiben Schlagschrauber (Hand) für festsitzende Kreuzschlitzschrauben am Motordeckel
Innensechskant-Satz 4–10 mm Auspuffkrümmer (M6-Innensechskant) u. a.
Fühlerlehre 0,05–0,20 mm (0,002–0,008 in) Ventilspiel Blattlehre mit dünnen, geraden Blättern
Draht-Fühlerlehre Elektrodenabstand 0,6–0,7 mm (0,024–0,028 in)
Messschieber, Lineal/Maßband Kette, Belagdicke, Gabelölstand
Digitales Vielfachmessgerät Batterie, Ladespannung, Durchgang ersetzt den Yamaha Pocket Tester
Montierhebel (2–3 Stück), Felgenschutz, Ventilausdreher Reifenwechsel
Ölauffangwanne ≥ 2 L (2,1 US qt), Trichter, Messbecher Öl, Gabelöl Messbecher mit cm³-Teilung für 177 cm³ Gabelöl
Durchsichtiger Schlauch Ø ≈ 6 mm (0,24 in) + Flasche Bremse entlüften
Unterstellbock / Holzklotz unter dem Motor Vorderrad entlasten der Hauptständer entlastet nur das Hinterrad
Nippelspanner Speichen nur zum Nachziehen, siehe Räder & Reifen § 5

1.2 Yamaha-Spezialwerkzeug und günstige Alternativen

Yamaha-Nr. Werkzeug Einsatz Günstige Alternative
90890-01311 Ventileinstellwerkzeug (ersetzt YM-08035) Einstellschraube Ventilspiel halten und drehen passender Vierkant-Einstellschlüssel aus dem Zubehör; ein kleiner Maulschlüssel geht auch, ist aber fummelig ⚠️ (siehe „Zu prüfende Angaben“ zur Nummer)
90890-03113 Drehzahlmesser (Induktiv) Leerlauf, Zündzeitpunkt, Ladespannung — die SR125 hat keinen Drehzahlmesser beliebiger Induktiv-Drehzahlmesser mit Zange am Zündkabel
90890-03141 Stroboskoplampe Zündzeitpunkt prüfen handelsübliche Induktions-Stroboskoplampe
90890-03112 Pocket Tester Widerstand, Durchgang, Spannung digitales Vielfachmessgerät
90890-03081 + 90890-04082 Kompressionsprüfer mit Adapter Kompression Kompressionsprüfer mit M12-Kerzenadapter
90890-06754 Zündtester Funkenstrecke ≥ 6 mm (0,24 in) Funkenprüfer mit einstellbarer Funkenstrecke
90890-01312 ⚠️ Kraftstoffstands-Messgerät Schwimmerstand am Fahrzeug durchsichtiger Schlauch am Ablassstutzen
90890-04086 Kupplungskorb-Halter Mutter der Kupplungsnabe (70 N·m / 52 ft·lb) universeller Kupplungshalter
90890-01400 + 90890-01367 Simmerring-Eintreiber mit Aufsatz Gabel-Simmerring und Gleitbuchse passend geschnittenes Kunststoffrohr, das gleichmäßig auf dem Simmerring-Außenring aufliegt
90890-01403 / 90890-01268 Hakenschlüssel Ringmutter Lenkkopf C-Hakenschlüssel passender Größe ⚠️
90890-85505 Yamaha Bond No. 1215 Dichtmasse Kurbelgehäuse ThreeBond 1215 bzw. gleichwertige Flächendichtung ⚠️

1.3 Verbrauchsmaterial

Material Spezifikation Menge / Hinweis
Motoröl API SE oder höher, JASO MA/MA2, üblich SAE 10W-40; kein „Energy Conserving II“-Öl 1,1 L (1,16 US qt) mit Filterwechsel · 1,0 L (1,06 US qt) ohne
Ölfilter-Einsatz, O-Ringe Ablassschraube und Filterdeckel Einsatz 5H0-13440-09 (Teilekatalog 1996, siehe Wartungsplan); O-Ring Ablassschraube B 93210-07135 Zuordnung der übrigen O-Ringe am Teil prüfen ⚠️
Zündkerze NGK DR8EA Abstand 0,6–0,7 mm (0,024–0,028 in)
Luftfilterelement Schaumstoff 5H0-14451-00 bei Zerfall ersetzen
Luftfilteröl Motoröl (Handbuch) oder Schaumstoff-Filteröl feucht, nicht tropfnass
Kettenspray / Motoröl für Ketten ohne O-Ring alle 500 km (310 mi)
Bremsflüssigkeit DOT 4 (DOT 3 zulässig), kein DOT 5 250 mL (8,5 US fl oz) reichen ⚠️
Gabelöl 15W 177 cm³ (6,0 US fl oz) je Holm
Fett Lithiumseifenfett Achsen, Lager, Nockenwelle Bremse, Schwinge, Lenkkopf
Seilzugöl Motorrad-Seilzugspray Kupplungs- und Gaszug
Kontaktfett / Polfett säurefrei Batteriepole, Stecker, Sicherungshalter
Splint für Hinterachse (1996, Kronenmutter) 91490-30030 bei jedem Radausbau neu
Splinte Momentabstützung nach Katalog bei jedem Lösen neu
Destilliertes Wasser — Säurestand Batterie
Vergaserreiniger, Bremsenreiniger — nie Draht in Düsen

2. Übersicht: Schwierigkeit & Zeitbedarf

Die Zeiten sind Richtwerte für geübte Hobbyschrauber ohne festgegammelte Schrauben ⚠️ (eigene Schätzung, keine Yamaha-Arbeitswerte).

Arbeit Schwierigkeit (1 = leicht, 5 = schwer) Zeit Detail
Kette schmieren 1 10 min § 11
Kette spannen (mit Bremse nachstellen) 2 30 min § 11
Motoröl & Filter 2 45 min § 4
Zündkerze 1 10 min § 7
Luftfilter reinigen 1 30 min (plus Trockenzeit) § 8
Ventilspiel prüfen/einstellen 3 1,5 h § 5
Steuerkettenspanner 2 15 min (zusammen mit Ventilspiel) § 6
Leerlauf einstellen 2 20 min § 9
Vergaser aus-/einbauen und reinigen 3 2–3 h § 9
Bremsbeläge vorne 2 45 min § 12
Bremsbacken hinten 3 1,5 h § 13
Bremsflüssigkeit wechseln / entlüften 2 45 min § 14
Gabelöl wechseln (beide Holme) 3 2–3 h § 15
Gabel-Simmerringe (beide Holme) 4 4–5 h § 15
Lenkkopflager einstellen 3 1 h § 16
Lenkkopflager tauschen 4 4–6 h Vorderradfederung § 7.4
Reifen/Schlauch wechseln (ein Rad) 3 1,5–2 h § 17
Kettensatz wechseln 3 2 h § 11
Batterie warten/laden 1 20 min (plus Ladezeit) § 18
Lampe wechseln 1 10–20 min § 19
Tachowelle wechseln 2 30 min § 20
Kupplungszug wechseln 2 45 min § 21
Gaszug wechseln 3 1 h § 22
Benzinhahn-Sieb reinigen 2 30 min § 23
Tank entrosten 3 1–2 Tage (Einwirkzeit) § 24
Kupplung (Scheiben, Federn) 4 3 h Kupplung § 7
Schwingenlagerung fetten / Buchsen tauschen 4 3–4 h Hinterradfederung § 6.2

3. Vorbereitung: Aufbocken, Seitendeckel, Sitzbank, Tank

Die SR125 hat laut Teilekatalog einen Hauptständer zusätzlich zum Seitenständer. Er ist die Grundlage fast aller Arbeiten.

  1. Aufbocken: Motorrad auf ebenem Boden auf den Hauptständer stellen. Für Arbeiten am Vorderrad oder an der Gabel einen Holzklotz oder Heber unter den Motor setzen, bis das Vorderrad frei ist. Nie nur auf einem Wagenheber abstützen.
  2. Seitendeckel: Die Deckel sind nur gesteckt (Zapfen in Gummitüllen). Gerade nach außen abziehen, nicht hebeln; kalten Kunststoff vorher anwärmen. Rechts sitzen Batterie, Luftfilter und Bordwerkzeug, links der Sicherungshalter ⚠️ (Zuordnung aus der Betriebsanleitung abgeleitet, siehe Rahmen § 6).
  3. Sitzbank: zwei Schrauben lösen, Sitzbank hinten anheben und nach hinten aus der vorderen Halterung ziehen. Darunter klebt das Modell-Label (Modellcode und Farbcode).
  4. Tank (für Ventilspiel, Vergaser, Zündspule):
  5. Benzinhahn auf OFF, Kraftstoffschlauch am Hahn abziehen (Lappen unterlegen).
  6. Hintere Tankschraube (M6) lösen, Tank hinten anheben und nach hinten von den vorderen Gummipuffern ziehen.
  7. Einbau umgekehrt; keine Kabel oder Züge einklemmen. Hintere Schraube mit Standardwert M6 6 N·m (4,4 ft·lb) ⚠️.

Details: Rahmen, Fahrgestell & Anbauteile § 5–7.


4. Motoröl & Ölfilter wechseln

Wert
Menge mit Filter / ohne Filter 1,1 L (1,16 US qt) / 1,0 L (1,06 US qt)
Öl API SE oder höher, JASO MA/MA2, üblich 10W-40
Ablassschraube (M35, mit Sieb und Feder) 43 N·m (32 ft·lb)
Filterdeckel (M6) 7 N·m (5,2 ft·lb) ⚠️
Ablassschraube B am Filterdeckel (M6, 90109-06419, O-Ring 93210-07135) 10 N·m (7,4 ft·lb) ⚠️ (Zuordnung Deckel 7 / Schraube B 10 N·m laut Betriebsanleitung 2000 und ausgerichteter Tabelle, siehe 19)
Öldruck-Kontrollschraube 7 N·m (5,2 ft·lb)
Intervall alle 6.000 km (3.700 mi) oder 6 Monate; Filter im Zweifel jedes Mal ⚠️
  1. Motor einige Minuten warmlaufen lassen, abstellen, Motorrad auf den Hauptständer.
  2. Auffangwanne unterstellen, Öleinfüllschraube öffnen, dann die große Ablassschraube (M35) herausdrehen. Druckfeder und Ölsieb kommen mit heraus.
  3. Ablassschraube B (M6, im Filterdeckel) herausdrehen und das Öl aus dem Filtergehäuse ablaufen lassen. Dann den Filterdeckel abschrauben und den alten Filtereinsatz entnehmen.
  4. Sieb reinigen und prüfen, alle O-Ringe prüfen und im Zweifel erneuern.
  5. Neuen Filtereinsatz einsetzen, Deckel mit 7 N·m (5,2 ft·lb) ⚠️ montieren; Ablassschraube B mit neuem O-Ring und 10 N·m (7,4 ft·lb) ⚠️ eindrehen.
  6. Sieb und Feder in richtiger Reihenfolge einsetzen, Ablassschraube mit 43 N·m (32 ft·lb) anziehen.
  7. 1,1 L (1,16 US qt) Öl einfüllen.
  8. Ölfluss prüfen: Kontrollschraube leicht lösen, Motor im Leerlauf laufen lassen, bis Öl austritt. Kein Öl nach 1 Minute → sofort abstellen. Kontrollschraube mit 7 N·m (5,2 ft·lb) anziehen.
  9. Motor kurz laufen lassen, abstellen, einige Minuten warten und den Stand am Schauglas (Motorrad senkrecht) zwischen Min. und Max. einstellen.

  10. Altöl bei einer Sammelstelle abgeben (Händler müssen die gekaufte Menge zurücknehmen).

  11. Vollständige Anleitung und Ölempfehlung: Motor § 5.

5. Ventilspiel prüfen & einstellen

Wert
Einlass (kalt) 0,05–0,09 mm (0,002–0,0035 in)
Auslass (kalt) 0,11–0,15 mm (0,0043–0,0059 in)
Kontermutter Einstellschraube 14 N·m (10 ft·lb)
Intervall 1.000 km (620 mi), dann empfohlen alle 6.000 km (3.700 mi) oder 6 Monate ⚠️ (Handbuch-Auslesungen nennen 6.000 oder nur 12.000 km (3.700 / 7.500 mi), siehe Wartungsplan)
  1. Nur am kalten Motor (Raumtemperatur) arbeiten. Sitzbank, Seitendeckel und Tank abbauen (§ 3).
  2. Zündkerze herausdrehen (Motor dreht leichter). Ventildeckel für Einlass und Auslass abschrauben, im linken Motordeckel Kontrollstopfen und Mittelstopfen (mit O-Ringen) herausdrehen.
  3. Kurbelwelle am Mittelstopfen-Anschluss gegen den Uhrzeigersinn drehen, bis der Schlitz im Rotor auf der festen Markierung im Deckel steht und das „I“ am Nockenwellenkettenrad auf der Kopfmarkierung. Beide Kipphebel müssen Spiel haben: OT im Verdichtungstakt. Steht das „I“ nicht, eine volle Umdrehung weiterdrehen.
  4. Spiel mit der Fühlerlehre zwischen Einstellschraube und Ventilschaft messen. Die Lehre soll mit leichtem Widerstand gleiten.
  5. Stimmt es nicht: Kontermutter lösen, Einstellschraube mit dem Ventileinstellwerkzeug drehen, bis das Spiel stimmt.
  6. Einstellschraube festhalten und die Kontermutter mit 14 N·m (10 ft·lb) anziehen. Nachmessen — beim Kontern verstellt sich das Spiel oft.
  7. Gleich anschließend den Steuerkettenspanner prüfen (§ 6).
  8. O-Ringe der Ventildeckel und Stopfen prüfen, im Zweifel erneuern (häufige Ölleckstelle). Deckel und Stopfen montieren, Kerze einsetzen.

  9. Lieber an der Obergrenze als an der Untergrenze: Zu wenig Spiel lässt das Ventil nicht mehr ganz schließen; das verbrennt den Ventilsitz, besonders am Auslass.

  10. Details und Ventilmaße: Motor § 2, Motor § 11.

6. Steuerkettenspanner einstellen

Wert
Soll Stangenende des Spanners bündig mit dem Einstellerende
Kontermutter 30 N·m (22 ft·lb)
Intervall wie Ventilspiel
  1. Am besten bei OT im Verdichtungstakt arbeiten (wie beim Ventilspiel) ⚠️ (genaue Kurbelwellenstellung im Handbuch-Auszug nicht beschrieben).
  2. Prüfen, ob Stangenende und Einstellerende bündig sind.
  3. Wenn nicht: Kontermutter lösen, Einsteller verdrehen, bis beide bündig sind.
  4. Kontermutter mit 30 N·m (22 ft·lb) anziehen.
  5. Motor starten: Ein rasselndes Geräusch aus dem Zylinderkopf, das nach dem Einstellen bleibt, deutet auf gelängte Kette, Kettenrad oder Führungen hin (siehe Motor § 10).

7. Zündkerze prüfen & wechseln

Wert
Kerze NGK DR8EA (Denso X24ESR-U ⚠️)
Elektrodenabstand 0,6–0,7 mm (0,024–0,028 in)
Anzugsmoment 18 N·m (13 ft·lb) — ohne Drehmomentschlüssel handfest plus ¼–½ Umdrehung
Prüfen / reinigen alle 6.000 km (3.700 mi) oder 6 Monate
  1. Nur bei kaltem Motor. Kerzenstecker abziehen (am Stecker, nicht am Kabel).
  2. Kerzenschacht mit Druckluft ausblasen.
  3. Kerze mit dem 18-mm-Kerzenschlüssel herausdrehen.
  4. Kerzenbild beurteilen (mittel- bis hellbraun = gut; siehe Zündanlage § 6.3).
  5. Elektrodenabstand der neuen (oder gereinigten) Kerze mit der Draht-Fühlerlehre prüfen und einstellen.
  6. Kerze von Hand einschrauben (Aluminiumgewinde!), dann mit 18 N·m (13 ft·lb) anziehen.
  7. Kerzenstecker fest aufdrücken.

8. Luftfilter reinigen

Wert
Element Schaumstoff 5H0-14451-00, unter dem rechten Seitendeckel
Öl Motoröl (Handbuch)
Intervall alle 6.000 km (3.700 mi) oder 6 Monate, bei Staub öfter
  1. Rechten Seitendeckel, Elementhalter, Element und Stützplatte ausbauen.
  2. Element in nicht brennbarem Lösungsmittel (bzw. warmem Seifenwasser ⚠️) auswaschen und ausdrücken, nicht auswringen. Kein Benzin.
  3. Trocknen lassen, auf Risse und Löcher prüfen — beschädigt oder bröselig → ersetzen.
  4. Motoröl gleichmäßig einarbeiten und den Überschuss ausdrücken: feucht, nicht tropfnass.
  5. Einbau: Platte, Element, Halter, Seitendeckel. Element muss rundum dicht anliegen.

  6. Nie ohne Filter fahren: Der Motor läuft dann mager und verschleißt schnell. Details: Kraftstoffsystem § 12.


9. Vergaser reinigen & Leerlauf einstellen

9.1 Leerlauf einstellen (ohne Ausbau)

Wert
Leerlaufdrehzahl 1.250–1.350 /min
Leerlaufgemischschraube (Grundeinstellung) 2 Umdrehungen offen
Messbedingung Motor warm, Öltemperatur 60–70 °C (140–158 °F)
  1. Motor warmfahren, Induktiv-Drehzahlmesser am Zündkabel anschließen.
  2. Gemischschraube leicht bis zum Anschlag eindrehen (nicht festziehen), dann 2 Umdrehungen herausdrehen.
  3. Mit der Anschlagschraube 1.250–1.350 /min einstellen.
  4. Optional: Gemischschraube in ¼-Umdrehungen auf höchste Drehzahl stellen, dann Drehzahl mit der Anschlagschraube zurückstellen (höchstens ±½ Umdrehung von der Grundeinstellung ⚠️).
  5. Danach das Gaszugspiel prüfen (§ 22).

9.2 Vergaser aus- und einbauen, reinigen (Kurzfassung)

  1. Kennung am Vergasergehäuse ablesen (5N0… oder 4WP…) — sie bestimmt die Düsen. Die 1996er hat laut Katalog den 5N0-Vergaser (Hauptdüse #108, ohne Heizung) ⚠️.
  2. Seitendeckel, Sitzbank, Tank abbauen. Bei einem 4WP-Vergaser das Heizungskabel trennen.
  3. Schellen am Ansaugstutzen und am Luftfilter-Verbindungsgummi lösen, Vergaser herausnehmen.
  4. Vergaserdeckel abschrauben, Schieber mit Nadel am Gaszug herausziehen.
  5. Vor dem Zerlegen die Umdrehungen der Gemischschraube bis zum leichten Anschlag zählen und notieren.
  6. Zerlegen: Schwimmerkammer, Schwimmer mit Achse, Schwimmernadel, Hauptdüse, Nadeldüse, Leerlaufdüse, Gemischschraube, Starterkolben.
  7. Alles in Vergaserreiniger reinigen, Kanäle und Düsen mit Druckluft ausblasen. Nie Draht in die Düsen.
  8. Schwimmernadel (Einlaufrille), Schieber (Riefen), Nadel (verbogen), Schwimmer (dicht) prüfen.
  9. Zusammenbau mit neuen Dichtungen und O-Ringen, Schwimmerhöhe prüfen (4WP-Vergaser: 28,5 mm (1,12 in); 5N0-Vergaser der 1996er: nicht belegt ⚠️), Nadel-Clip in der 3. Nut (nur 4WP-Vergaser).
  10. Einbau: Ansaugstutzen → Kopf 10 N·m (7,4 ft·lb) ⚠️. Schelle Ansaugstutzen → Vergaser: Wert offen ⚠️ — das Kraftstoffkapitel nennt 7 N·m (5,2 ft·lb), für eine Schraubschelle auf Gummi vermutlich zu hoch; wahrscheinlicher sind ≈ 2 N·m (1,5 ft·lb / 18 in·lb) aus der Motortabelle. Schelle nur so fest anziehen, dass sich der Vergaser nicht verdreht; den Gummi dabei nicht einschneiden (19). Schläuche frei verlegen.
  11. Grundeinstellung nach § 10.

Vollständige Anleitung: Kraftstoffsystem § 9.


10. Grundeinstellung nach einer Vergaserüberholung

Nach einer Überholung oder bei unbekannter Vorgeschichte (z. B. Kauf eines Bastlerfahrzeugs) alles auf Werksgrundeinstellung zurücksetzen und erst dann fein einstellen.

Parameter 4WP-Vergaser (Handbuch 1997) 5N0-Vergaser (1996 laut Katalog)
Hauptdüse #102 #108
Düsennadel / Clip 4C9A, 3. von 5 Nuten ⚠️ nicht belegt — Clipstellung vor dem Zerlegen notieren
Leerlaufdüse #38 ⚠️ vermutlich #38
Gemischschraube 2 Umdrehungen offen ⚠️ 2 Umdrehungen als Ausgangswert
Schwimmerhöhe 28,5 mm (1,12 in) ⚠️ nicht belegt
Leerlauf 1.250–1.350 /min wie 4WP
Gaszugspiel 3–5 mm (0,12–0,20 in) wie 4WP
  1. Kennung prüfen und Düsen mit den Werten der Tabelle vergleichen. Fremde Düsen (z. B. nach Entdrosselung oder Tuning) notieren und im Zweifel auf Serie zurückbauen. Bei gedrosselten 80-km/h-Maschinen gehört ggf. eine kleinere Hauptdüse und eine Ansaugblende zur eingetragenen Drossel ⚠️ (Kraftstoffsystem § 15).
  2. Schwimmerhöhe am ausgebauten Vergaser einstellen; nach dem Einbau den Kraftstoffstand mit Schlauch prüfen: 2,5–3,5 mm (0,10–0,14 in) unter der Trennfuge (Kraftstoffsystem § 8).
  3. Starterkolben prüfen: Er muss vollständig zurückgehen.
  4. Gemischschraube auf 2 Umdrehungen offen, Anschlagschraube so weit hinein, dass der Motor sicher anspringt.
  5. Motor mit Starter starten, warmfahren (nicht im Stand warmlaufen lassen — ein luftgekühlter Motor überhitzt ohne Fahrtwind).
  6. Leerlauf nach § 9.1 einstellen, dann Gaszugspiel.
  7. Falschluft prüfen: Bei laufendem Motor Bremsenreiniger vorsichtig auf Ansaugstutzen und Schellen sprühen. Steigt die Drehzahl, zieht der Stutzen Luft ⚠️ (Werkstattpraxis; brennbar — Abstand zum heißen Auspuff halten).
  8. Probefahrt, danach Kerzenbild beurteilen (§ 7). Mittelbraun = passt. Schwarz = zu fett (Luftfilter, Schwimmerstand, Starterkolben), weiß = zu mager (Falschluft, Düse zu klein).
  9. Lenker bei laufendem Motor von Anschlag zu Anschlag drehen: Die Drehzahl darf sich nicht ändern.

11. Kette: prüfen, spannen, schmieren, wechseln

Wert
Kette 428HG, 120 Glieder, Clipschloss; Ritzel/Kettenrad 14/49
Durchhang 25–35 mm (1,0–1,4 in) an der straffsten Stelle, auf dem Hauptständer
Achsmutter hinten 65 N·m (48 ft·lb); 1996: Kronenmutter mit neuem Splint
Bremspedalspiel danach 20–30 mm (0,8–1,2 in)
Verschleißgrenze 122 mm (4,80 in) über 10 Glieder ⚠️ (Messpunkte siehe Kette § 7)
Pflege alle 500 km (310 mi)

11.1 Schmieren

  1. Nach der Fahrt (Kette warm), Motorrad auf den Hauptständer, Leerlauf.
  2. Kette mit Bürste oder Lappen reinigen.
  3. Kettenspray (oder Motoröl, Handbuch) auf Laschen und Rollen geben, Rad dabei langsam drehen. Nicht zu viel — der Überschuss sammelt sich im Kettenkasten.

11.2 Spannen

  1. Hauptständer, straffste Stelle suchen, Durchhang messen (oder im Sichtfenster des Kettenkastens prüfen).
  2. Einstellmutter der Hinterradbremse lockern.
  3. 1996: Splint der Kronenmutter ziehen. Achsmutter lösen.
  4. Beide Exzenter um denselben Betrag drehen, bis der Durchhang stimmt; Markierungen links und rechts müssen gleich stehen.
  5. Rad nach vorn drücken, Achsmutter 65 N·m (48 ft·lb). Kronenmutter bis zum nächsten Schlitz weiterdrehen, nie zurück, neuen Splint einsetzen und umbiegen.
  6. Durchhang nachprüfen.
  7. Bremspedalspiel 20–30 mm (0,8–1,2 in) einstellen, Bremslicht prüfen.

11.3 Kettensatz wechseln (Kurzfassung)

  1. Achsmutter lösen, Kette entspannen, Kettenkasten abnehmen.
  2. Schalthebel und Ritzeldeckel abbauen, Ritzel-Halteplatte abschrauben.
  3. Clip des Kettenschlosses abnehmen, Schloss herausziehen, Kette abnehmen, Ritzel abnehmen.
  4. Kettenrad: Hinterrad ausbauen (§ 17 bzw. Räder & Reifen § 10), Kettenrad vom Mitnehmer lösen, neues mit 40 N·m (30 ft·lb) (M10) anziehen.
  5. Immer Kette, Ritzel und Kettenrad als Satz wechseln.
  6. Neue Kette auflegen, Clip mit der geschlossenen Seite in Laufrichtung ⚠️ montieren.
  7. Ritzel-Halteplatte, Deckel, Schalthebel und Kettenkasten montieren, Kette spannen (§ 11.2).

  8. Ritzel-Halteplatte: 10 N·m (7,4 ft·lb) verwenden (Motortabelle S. 28, M6; das Kettenkapitel des Handbuchs nennt 7–8 N·m / 5,2–5,9 ft·lb ⚠️). Die Motortabelle nennt 2 Schrauben, der Teilekatalog nur eine ⚠️ — am Fahrzeug zählen. Ritzeldeckel: 7 N·m (5,2 ft·lb) ⚠️ (Motortabelle; Kettenkapitel 10 N·m / 7,4 ft·lb). Siehe Anzugsdrehmomente und Kette § 11.

  9. Vollständige Anleitung: Sekundärantrieb (Kette) § 4–8.

12. Bremsbeläge vorne wechseln

Wert
Belagdicke neu / Grenze 6,2 mm (0,24 in) / 0,8 mm (0,03 in) (Handbuchwerte, Bremse ab 1997)
Beläge 1996 (3MW-Sattel) 3MW-W0045-00 (Lucas MCB524 ⚠️)
Beläge ab 1997 (4HM-Sattel) 4HM-W0045-00 (Lucas MCB666 ⚠️)
Sattelstützbolzen (ab 1997) 23 N·m (17 ft·lb)
Belagstift und Sicherung (1996er 3MW-Sattel) kein Anzugsmoment und keine Sicherungsart belegt ⚠️ — Stift und Sicherung so montieren wie vorgefunden (Einbaulage fotografieren); Wert im Papier-Handbuch bzw. beim Yamaha-Händler erfragen

Erst den Sattel identifizieren: Die 1996er hat den 3MW-Sattel mit Belagstift, ab 1997 den 4HM-Sattel mit Belagträger. Die Beläge sind nicht gleich.

1996 (Belagstift) ⚠️ — aus der Teileliste abgeleitet:

  1. Etwas Bremsflüssigkeit aus dem Behälter absaugen (Lappen unterlegen).
  2. Federabdeckung bzw. Sicherung des Belagstifts abnehmen.
  3. Belagstift herausziehen, Beläge mit Belagfeder und Distanzblech entnehmen. Einbaulage fotografieren.
  4. Kolben mit dem Finger bzw. einem Holzstück zurückdrücken.
  5. Neue Beläge, Belagfeder und Distanzblech einsetzen, Stift einschieben und sichern.
  6. Hebel mehrmals pumpen, bis der Druckpunkt steht; Flüssigkeitsstand prüfen.

Ab 1997 (4HM-Sattel, Handbuch):

  1. Flüssigkeit etwas absaugen, Sattelstützbolzen herausdrehen, Sattel schwenken.
  2. Beläge und Belagträger entnehmen; neue Belagfedern verwenden.
  3. Kolben zurückdrücken, neue Beläge einsetzen, Sattel zurückschwenken.
  4. Stützbolzen 23 N·m (17 ft·lb), Hebel pumpen, Stand prüfen.

  5. Beläge immer als Satz, kein Fett auf Belag und Scheibe, 100–200 km (60–120 mi) einbremsen.

  6. Vollständige Anleitung: Bremsen & Hydraulik § 7.

13. Bremsbacken hinten wechseln

Wert
Trommel Ø / Grenze 110 mm (4,33 in) / 111 mm (4,37 in)
Belagdicke neu / Grenze 4 mm (0,16 in) / 2 mm (0,08 in)
Backensatz 2JL-W2536-10 (1996 = 1997)
Bremsnockenhebel M6, 9 N·m (6,6 ft·lb)
Momentabstützung M8, 20 N·m (15 ft·lb), neuer Splint
Pedalspiel 20–30 mm (0,8–1,2 in)
  1. Hauptständer. Einstellmutter von der Bremsstange drehen, Stange aus dem Nockenhebel nehmen.
  2. Splint und Mutter der Momentabstützung an der Ankerplatte entfernen.
  3. Hinterrad ausbauen (Splint und Achsmutter, Kette vom Kettenrad; Räder & Reifen § 10).
  4. Ankerplatte aus der Nabe ziehen. Trommel messen (Grenze 111 mm / 4,37 in) und auf Öl und Riefen prüfen.
  5. Backen V-förmig von Nocken und Lagerbolzen abklappen.
  6. Nockenwelle und Lagerbolzen dünn mit Lithiumseifenfett schmieren, Überschuss entfernen. Anzeigeplatte mit der Nase in die Nut der Nockenwelle, Nockenhebel an der Körnermarke ausrichten.
  7. Neue Backen mit neuen Federn einhängen.
  8. Rad einbauen, Momentabstützung 20 N·m (15 ft·lb) mit neuem Splint, Kette spannen, Achsmutter 65 N·m (48 ft·lb) (1996: neuer Splint).
  9. Pedalspiel und Bremslichtschalter einstellen, Bremse im Stand und auf einer ruhigen Strecke prüfen.

Vollständige Anleitung: Bremsen & Hydraulik § 11.


14. Vorderradbremse entlüften & Bremsflüssigkeit wechseln

Wert
Flüssigkeit DOT 4 (DOT 3 zulässig), kein DOT 5
Entlüftungsschraube (M7) 6 N·m (4,4 ft·lb)
Behälterdeckel 2 N·m (1,5 ft·lb)
Wechsel alle 2 Jahre (Betriebsanleitung 2000, siehe Wartungsplan)

Flüssigkeit wechseln (Durchspülen):

  1. Lenker so drehen, dass der Behälter waagerecht steht. Tank und Scheinwerfer mit Lappen abdecken.
  2. Deckel und Membran abnehmen, alte Flüssigkeit mit einer Spritze absaugen (nicht ganz leer — kein Luftloch am Auslass). Mit frischer DOT 4 füllen.
  3. Schlauch auf die Entlüftungsschraube am Sattel, Ende in eine Flasche.
  4. Hebel ziehen und halten → Schraube öffnen → Schraube schließen → Hebel loslassen. Wiederholen, bis klare, frische Flüssigkeit ohne Blasen austritt. Behälter dabei nie leer laufen lassen.
  5. Entlüftungsschraube 6 N·m (4,4 ft·lb), Behälter bis zur Marke füllen, Membran und Deckel (2 N·m / 1,5 ft·lb) montieren.
  6. Druckpunkt prüfen, bevor das Motorrad bewegt wird.

  7. Hartnäckige Luft: Hebel über Nacht mit einem Kabelbinder gezogen halten, dann erneut entlüften.

  8. Die Hinterradbremse ist eine mechanische Trommelbremse und braucht keine Bremsflüssigkeit.
  9. Vollständige Anleitung: Bremsen & Hydraulik § 4 und § 6.

15. Gabelöl & Simmerringe

Wert
Öl 15W, 177 cm³ (6,0 US fl oz) je Holm
Ölstand 165 mm (6,50 in) unter Oberkante Standrohr, ganz eingefedert, ohne Feder (Datentabelle: 135 mm / 5,31 in ⚠️)
Feder freie Länge 326,1 mm (12,84 in), Grenze 321 mm (12,64 in), enger gewickeltes Ende oben
Standrohr-Verzug Grenze 0,2 mm (0,008 in) — nicht richten, ersetzen
Simmerring 93110-30008 (1996 = 1997)

15.1 Gabelöl wechseln

Die Gabel hat keine Ablassschraube ⚠️; zum vollständigen Wechsel den Holm ausbauen.

  1. Vorderrad entlasten (Holzklotz unter dem Motor), Vorderrad ausbauen (Räder & Reifen § 9), Holm ausbauen (Vorderradfederung § 6).
  2. Verschlussschraube herausdrehen (Feder steht unter leichter Vorspannung), Distanzhülse, Scheibe und Feder herausnehmen.
  3. Öl auskippen, Standrohr dabei mehrmals pumpen, abtropfen lassen.
  4. 177 cm³ (6,0 US fl oz) 15W einfüllen, langsam pumpen, Ölstand ohne Feder bei eingefedertem Rohr prüfen; beide Holme gleich.
  5. Feder (enges Ende oben), Scheibe, Distanzhülse, Verschlussschraube mit gefettetem O-Ring montieren.
  6. Holm einbauen, Momente laut Vorderradfederung § 12.

15.2 Simmerringe wechseln (Kurzfassung)

  1. Holm ausbauen, Öl ablassen (wie oben).
  2. Staubschutzring, Sprengring und Scheibe abnehmen.
  3. Standrohr mit kräftigen Zügen aus dem Außenrohr ziehen; Simmerring und Gleitbuchse kommen mit.
  4. Standrohr prüfen (Riefen, Rost, Verzug). Laut Handbuch Gleitbuchse, Kolbenring, Simmerring und Staubschutzring immer erneuern.
  5. Neue Gleitbuchse und neuen Simmerring (Lippen gefettet, Beschriftung oben) mit dem Eintreiber bzw. einem Kunststoffrohr gerade eintreiben.
  6. Scheibe, Sprengring (sauber in der Nut), Staubschutzring montieren; Leichtgängigkeit prüfen; Öl einfüllen.

Vollständige Anleitung: Vorderradfederung & Lenkung § 3–6.


16. Lenkkopflager einstellen

Wert
Lager lose Kugeln, 22 × 3/16 in (4,76 mm) oben, 19 × 0,251 in (6,38 mm) unten
Ringmutter 38 N·m (28 ft·lb) → lösen → 7 N·m (5,2 ft·lb)
Lenkschaftmutter 40 N·m (30 ft·lb)
Werkzeug Hakenschlüssel (90890-01403 / 90890-01268)
  1. Prüfen: Vorderrad frei, Gabelholme unten greifen und vor/zurück schieben. Klacken = Spiel. Lenker langsam drehen: Eine Raste in Geradeausstellung heißt eingelaufene Laufringe → tauschen statt einstellen.
  2. Obere Gabelbrücke lösen, nicht ausbauen: Lenkschaftmutter und Klemmschrauben der Gabelholme in der oberen Brücke lockern, bis die Ringmutter zugänglich ist ⚠️ (Zugang im Handbuch-Auszug nur verkürzt beschrieben).
  3. Ringmutter mit dem Hakenschlüssel auf 38 N·m (28 ft·lb) anziehen, Lenkung mehrmals von Anschlag zu Anschlag drehen.
  4. Ringmutter ganz lösen und dann auf 7 N·m (5,2 ft·lb) anziehen (siehe Vorderradfederung § 7.3).
  5. Lenkung prüfen: kein Spiel, kein Klemmen.
  6. Gelöste Schrauben der oberen Gabelbrücke wieder anziehen: Lenkschaftmutter 40 N·m (30 ft·lb), Klemmschrauben nach Vorderradfederung § 12; dann die Einstellung nochmals prüfen.

  7. Den Drehmomentschlüssel im rechten Winkel zum Hakenschlüssel ansetzen; dann zeigt er das Moment an der Ringmutter ohne Umrechnung an. Nur wenn er in Verlängerung des Hakenschlüssels sitzt, über die Hebellänge umrechnen.

  8. Vollständige Anleitung: Vorderradfederung & Lenkung § 7.

17. Reifen & Schlauch wechseln

Wert
Reifen vorne 3.00-17 45P, hinten 3.50-16 52P, Schlauchreifen
Luftdruck kalt (bis 90 kg / 198 lb Zuladung) vorne 1,75 bar (25 psi) · hinten 2,00 bar (29 psi)
Luftdruck kalt (über 90 kg / 198 lb) vorne 1,75 bar (25 psi) · hinten 2,25 bar (33 psi)
Vorderachse (M14) / Klemmschraube (M8) 59 N·m (43,5 ft·lb) / 20 N·m (15 ft·lb)
Hinterachsmutter 65 N·m (48 ft·lb); 1996 Kronenmutter mit neuem Splint
Ventil-Kontermutter 1,5 N·m (1,1 ft·lb)
Profil Yamaha-Grenze 1,6 mm (0,063 in); gesetzlich (Leichtkraftrad) 1,0 mm (0,04 in)
  1. Rad ausbauen:
  2. Vorne: Vorderrad entlasten, Tachowelle abschrauben, Klemmschraube lösen, Achse herausziehen, Rad nach unten herausnehmen. Bremshebel nicht ziehen (Keil zwischen die Beläge). Details: Räder & Reifen § 9.
  3. Hinten: Bremsstange und Momentabstützung lösen, Splint (1996) und Achsmutter entfernen, Kette abnehmen, Achse ziehen; Lage von Exzentern und Distanzhülsen merken. Details: Räder & Reifen § 10.
  4. Ventileinsatz herausdrehen, Luft ablassen, Ventil-Kontermutter abschrauben.
  5. Wulst rundum ins Tiefbett drücken, gegenüber dem Ventil mit Montierhebeln und Felgenschutz die erste Wulst abhebeln.
  6. Schlauch herausziehen (Ventil zuletzt), zweite Wulst abhebeln.
  7. Felgenband, Rost und Speichenenden prüfen.
  8. Neuen Reifen (Laufrichtung!) mit der ersten Wulst aufziehen, neuen Schlauch leicht aufgepumpt und gepudert einlegen, Ventil durchführen.
  9. Zweite Wulst vom Ventil weg montieren, Hebel flach ansetzen, damit der Schlauch nicht eingeklemmt wird.
  10. Mit Montagepaste aufpumpen, bis die Zentrierlinie rundum gleichmäßig sitzt; Luft ablassen und neu aufpumpen (Schlauch legt sich glatt); Solldruck einstellen, Kontermutter 1,5 N·m (1,1 ft·lb).
  11. Auswuchten (statisch, siehe Räder & Reifen § 12).
  12. Einbau vorne: Tachoantrieb richtig einsetzen (Nasen in Schlitze, Schlitz über den Anschlag an der Gabel), Achse 59 N·m (43,5 ft·lb), Gabel einfedern, Klemmschraube 20 N·m (15 ft·lb). Hinten: Kette spannen, Achsmutter 65 N·m (48 ft·lb), Splint, Bremse einstellen.
  13. Bremswirkung, Tachofunktion und freien Radlauf prüfen. Neue Reifen vorsichtig einfahren.

  14. Reifenwahl: Nur Größe und Last-/Geschwindigkeitsindex laut Fahrzeugpapieren; zur Reifenbindung bei Fahrzeugen mit nationaler ABE siehe Räder & Reifen § 3.

  15. Vollständige Anleitung: Räder & Reifen § 11.

18. Batterie pflegen, laden, tauschen

Wert
Typ 12N7-3B, 12 V, 7 Ah, konventionell (nass)
Säuredichte voll geladen 1,280 bei 20 °C (68 °F)
Ladestrom 0,7 A, ≈ 10 h
Lage hinter dem rechten Seitendeckel ⚠️ (Handbuch: beide Seitendeckel abnehmen)
  1. Seitendeckel abnehmen (§ 3).
  2. Säurestand prüfen: zwischen den Markierungen; nur mit destilliertem Wasser nachfüllen.
  3. Ausbauen: Zündung aus, zuerst Minus, dann Plus abklemmen, Entlüftungsschlauch abziehen, Batterie herausnehmen.
  4. Laden mit 0,7 A (Motorrad-Ladegerät, Blei-Säure-Kennlinie), Stopfen öffnen, gut lüften (Knallgas). Kein Autoladegerät mit 5–10 A.
  5. Pole mit Drahtbürste reinigen, dünn mit Polfett schützen.
  6. Einbauen: zuerst Plus, dann Minus. Entlüftungsschlauch frei und ohne Knick nach unten verlegen — austretende Säure zerfrisst Rahmen und Lack.
  7. Tausch: Ersatz nur mit gleicher Polanordnung (-3B). Gel- und AGM-Typen sind wartungsfrei; Maße mit dem Batteriefach vergleichen (Ladesystem & Batterie § 5.4). Neue Batterie vor dem Einbau voll laden.

  8. Die Zündung arbeitet ohne Batteriestrom (AC-CDI), der Anlasser nicht — und die SR125 hat keinen Kickstarter. Eine gepflegte Batterie ist deshalb Pflicht.

  9. Vollständige Anleitung: Ladesystem & Batterie § 5.

19. Lampen wechseln

Lampe Wert Sockel
Scheinwerfer 12 V 36 W/36 W (1996–1999) ⚠️ nicht belegt (handelsüblich BA20d)
Standlicht 12 V 4 W ⚠️ nicht belegt
Rück-/Bremslicht 12 V 5 W/21 W BAY15d (versetzte Stifte)
Blinker (4 ×) 12 V 21 W BA15s
Instrumente / Kontrollleuchten (5 ×) 12 V 3,4 W T10-Glassockel ⚠️

Scheinwerfer:

  1. Zündung aus, Lampe abkühlen lassen.
  2. Schraube unten am Scheinwerferring lösen, Ring mit Einsatz nach vorn herausziehen.
  3. Fassung abziehen, Lampe herausnehmen (Bajonett ⚠️).
  4. Neue Lampe mit gleichen Werten einsetzen, Glaskolben nicht mit den Fingern berühren.
  5. Zusammenbauen, kein Kabel einklemmen; Abblend-, Fernlicht, Kontrollleuchte und Standlicht prüfen. Danach die Höheneinstellung kontrollieren (Beleuchtung § 3.3).

Rücklicht und Blinker:

  1. Schrauben der Streuscheibe lösen, Scheibe abnehmen.
  2. Lampe eindrücken, gegen den Uhrzeigersinn drehen, herausnehmen.
  3. Neue Lampe einsetzen: BAY15d ins Rücklicht (passt nur in einer Stellung), BA15s in die Blinker. Nicht vertauschen.
  4. Dichtung korrekt einlegen, Streuscheibe handfest verschrauben (Kunststoff reißt leicht).

  5. Keine stärkeren Lampen in den Blinkern: Die Blinkfrequenz des Kondensator-Relais ändert sich. LED-Nachrüstung nur mit E-Prüfzeichen und passendem Relais (Bordnetz § 9.3).

  6. H4 oder LED im Scheinwerfer der 1996er ist ohne Genehmigung nicht zulässig (Beleuchtung § 3.4).
  7. Durchgebrannte Sicherung? Bordnetz § 3.1.

20. Tachowelle schmieren & wechseln

Wert
Tachowelle 1996 3MW-83550-01
Überwurfmutter am Tachoantrieb 3 N·m (2,2 ft·lb)
  1. Unten: Überwurfmutter am Tachoantrieb (linke Vorderradnabe) lösen und die Welle abziehen.
  2. Oben: Überwurfmutter am Tacho lösen ⚠️ (Befestigung am Instrument im Handbuch-Auszug nicht beschrieben), Welle abziehen.
  3. Schmieren: Den Kern (Seele) unten aus der Hülle ziehen, dünn mit Tachowellenfett einfetten, die obersten ≈ 10 cm (3,9 in) trocken lassen, Kern wieder einschieben.
  4. Wechsel: Neue Welle genauso verlegen wie die alte (ohne enge Radien, ohne Zug bei vollem Lenkeinschlag), Kabelbinder und Halter wieder anbringen.
  5. Unten die Welle so einstecken, dass der Vierkant in den Antrieb greift (Rad langsam drehen), Überwurfmutter mit 3 N·m (2,2 ft·lb) bzw. handfest anziehen.
  6. Probefahrt: Die Nadel muss ruhig anzeigen.

  7. Nadel zittert oder steht: trockene/geknickte Welle, abgerissener Kern oder verschlissenes Kunststoffzahnrad im Antrieb. Beim nächsten Radausbau den Tachoantrieb fetten (Beleuchtung § 8.1).

  8. Der Tachoantrieb der 1996er (4X8…, mit separatem Mitnehmer) unterscheidet sich vom Antrieb ab 1997 (4WP-25190-00) ⚠️.

21. Kupplungszug einstellen & wechseln

Wert
Spiel am Hebelende 10–15 mm (0,39–0,59 in)
Zug 3MW-26335-00 (1996 = 1997)

Einstellen:

  1. Spiel am Hebelende prüfen.
  2. Grob motorseitig: Kontermutter lösen, Einsteller drehen, kontern.
  3. Fein am Hebel: Kontermutter lösen, Einstellschraube drehen, kontern. Reserve am Hebel lassen.
  4. Probefahrt: sauber trennen, nicht rutschen.

Wechseln:

  1. Beide Einsteller ganz hineindrehen (maximales Spiel).
  2. Schlitze von Einstellschraube, Kontermutter und Hebelhalter fluchten lassen, Nippel aus dem Hebel aushängen.
  3. Motorseitig vom Ausrückhebel aushängen, Zug aus dem Halter nehmen.
  4. Verlegung fotografieren, neuen Zug genauso verlegen, vorher schmieren.
  5. Einhängen, Spiel einstellen, Lenker von Anschlag zu Anschlag drehen: Spiel und Leerlauf dürfen sich nicht ändern.

  6. Schmieren: Zug hebelseitig aushängen, senkrecht halten, Seilzugöl einlaufen lassen, bis es unten austritt.

  7. Der Kupplungsschalter am Hebel gehört zur Anlasssperre: Nach dem Wechsel prüfen, ob die Maschine mit gezogener Kupplung im Gang startet (Kupplung § 6).
  8. Vollständige Anleitung: Kupplung § 4–5.

22. Gaszug einstellen & wechseln

Wert
Spiel am Griffflansch 3–5 mm (0,12–0,20 in)
Zug 1996 3MW-26311-01 (ab 1997: 4WP-26311-00)
Reihenfolge erst Leerlauf, dann Gaszugspiel

Einstellen:

  1. Leerlauf einstellen (§ 9.1).
  2. Kontermutter am Einsteller lösen, Einsteller drehen, bis 3–5 mm (0,12–0,20 in) Spiel am Griff, kontern.
  3. Motor laufen lassen, Lenker voll links und rechts einschlagen: Drehzahl darf nicht steigen.

Wechseln ⚠️ (Ablauf für Rundschiebervergaser; im Handbuch-Auszug nicht vollständig beschrieben):

  1. Tank abbauen (§ 3), Einsteller auf maximales Spiel.
  2. Vergaserdeckel abschrauben, Schieber mit Nadel herausziehen.
  3. Schieberfeder zusammendrücken und den Zugnippel aus dem Schieber aushängen. Nadel und Clip dabei nicht verlieren; Clip-Nut notieren.
  4. Am Lenker das Gasgriffgehäuse öffnen (zwei Schrauben) und den Nippel aus dem Griff aushängen.
  5. Neuen Zug genauso verlegen wie den alten, geschmiert einziehen, oben einhängen.
  6. Unten Nippel in den Schieber, Feder und Deckel montieren. Beim Einsetzen des Schiebers die Aussparung zur Führung im Vergaser ausrichten.
  7. Gehäuse am Lenker schließen, Spiel einstellen, Gasgriff muss von selbst zurückschnappen.

  8. Ein hängender Schieber (Drehzahl fällt nicht ab) ist gefährlich: Zug, Verlegung und Schieber sofort prüfen.

  9. Details: Kraftstoffsystem § 5.

23. Benzinhahn-Sieb & Absetzbecher reinigen

Wert
Benzinhahn handbetätigt, ON – RES – OFF ⚠️
Sieb / Absetzbecher / Dichtung 4L0-24536-00 / 1A0-24521-01 / 498-24522-00
Benzinhahn am Tank M6, 7 N·m (5,2 ft·lb)
  1. Hahn auf OFF. Lappen und Auffanggefäß unterlegen.
  2. Absetzbecher unten am Hahn abschrauben, Wasser und Rostkrümel ausleeren, Becher reinigen.
  3. Nur zum Siebwechsel: Tank abbauen und entleeren (§ 3), Hahn vom Tank abschrauben, Sieb reinigen oder ersetzen.
  4. Mit neuer Dichtung / neuem O-Ring montieren, Hahn 7 N·m (5,2 ft·lb).
  5. Hahn auf ON, auf Dichtheit prüfen, auch in Stellung RES.

  6. Viele Krümel im Becher = Rost im Tank → § 24. Danach auch Schwimmerkammer und Schwimmernadelsitz reinigen.

  7. Ein zusätzlicher Inline-Kraftstofffilter im Schlauch schützt den Vergaser. Details: Kraftstoffsystem § 10.

24. Rost im Tank entfernen

Der Stahltank (10,0 L / 2,64 US gal) einer Maschine dieses Alters (Baujahr 1996) ist innen oft angerostet.

  1. Befund: Tank leer, mit Taschenlampe oder Endoskopkamera innen prüfen. Flugrost, Rostnester, Durchrostungen am Boden?
  2. Tank ausbauen und Benzinhahn abschrauben. Tankdeckel-Dichtung schützen oder ausbauen.
  3. Grob reinigen: mit Wasser und Spülmittel ausspülen; losen Rost mit einer Handvoll Schrauben oder Kies ⚠️ durch Schütteln lösen und alles wieder herausspülen (jede Schraube zählen!).
  4. Entrosten: Tank mit Zitronensäure in warmem Wasser oder einem Tankentroster aus dem Zubehör füllen (Öffnung des Hahns vorher dicht verschließen), Einwirkzeit nach Herstellerangabe (oft 12–24 h) ⚠️.
  5. Neutralisieren und spülen: gründlich mit Wasser spülen, bei Säure-Entrostern das Neutralisationsmittel des Herstellers verwenden.
  6. Sofort trocknen: mit Heißluft oder Druckluft, bis der Tank innen völlig trocken ist. Ein nasser Tank setzt innerhalb von Stunden Flugrost an.
  7. Schützen: entweder sofort etwas Benzin mit einem Schuss Öl einfüllen und schwenken, oder eine benzin- und E10-feste Tankversiegelung nach Herstellerangabe einbringen ⚠️.
  8. Benzinhahn mit neuem Sieb und neuer Dichtung montieren, Tank einbauen.
  9. Anschließend Hahnsieb, Absetzbecher und die Schwimmerkammer des Vergasers reinigen.

  10. Starker Rost oder Löcher: Tank beschichten lassen oder Gebrauchttank suchen (5H0-24110, über die 3MW-Serie gleich, nur die Farbe unterscheidet sich).

  11. Nicht in einem undichten Tank löten oder schweißen, solange Kraftstoffdämpfe darin sein können — Explosionsgefahr. Das gehört in eine Fachwerkstatt.
  12. Details: Rahmen, Fahrgestell & Anbauteile § 5.

25. Einwintern

  1. Letzte Fahrt: Super E5 oder Super Plus tanken, ggf. Kraftstoffstabilisator zugeben und einige Kilometer fahren, damit er im Vergaser ankommt.
  2. Waschen und trocknen, Streusalz gründlich abspülen. Kette schmieren, blanke Teile (Speichen, Auspuff, Chrom) mit Konservierungsspray behandeln.
  3. Ölwechsel vor der Pause, damit keine säurehaltigen Verbrennungsrückstände im Motor stehen ⚠️ (übliche Empfehlung).
  4. Tank entweder randvoll oder vollständig leer und trocken — halbvoll ist am ungünstigsten.
  5. Benzinhahn auf OFF, Schwimmerkammer über die Ablassschraube leeren.
  6. Zylinder konservieren: Zündkerze heraus, etwa einen Teelöffel Motoröl in die Kerzenbohrung, Kerzenstecker an Masse legen und den Motor etwa 5 Sekunden mit dem Anlasser durchdrehen, Kerze wieder eindrehen (Betriebsanleitung 2000, S. 68–69; siehe Wartungsplan § 7.4).
  7. Luftfilter reinigen und ölen, Auspuffende gegen Feuchtigkeit und Kleintiere verschließen (Zettel an den Lenker: „Auspuff zu!“).
  8. Batterie ausbauen, voll laden, kühl und frostfrei lagern; monatlich nachladen oder an ein Ladeerhaltungsgerät hängen (Ladesystem & Batterie § 5.5).
  9. Reifen: Luftdruck leicht erhöhen und das Motorrad auf den Hauptständer stellen, damit das Hinterrad entlastet ist; Vorderrad ggf. mit einem Klotz unter dem Motor entlasten.
  10. Trocken, gut belüftet abstellen, mit einer atmungsaktiven Abdeckplane (keine luftdichte Folie — Kondenswasser).

Im Frühjahr: Tank innen, Hahnsieb und Schläuche prüfen, frisch tanken, Batterie einbauen (Plus zuerst), Luftdruck, Bremsen, Licht und Kette prüfen, Auspuff öffnen, Starter benutzen. Springt sie nicht an: Schwimmerkammer auf Kraftstoff und Leerlaufdüse auf Verharzung prüfen (Kraftstoffsystem § 18).


26. Erster Start nach langer Standzeit

Für eine SR125, die jahrelang gestanden hat (Scheunenfund, Erbstück, Kauf eines abgemeldeten Fahrzeugs). Ziel: den Motor nicht mit altem Öl, verharztem Vergaser oder Rost im Tank beschädigen.

  1. Erst schauen, nicht starten. Motor von Hand prüfen: Ein Gang rein und das Hinterrad langsam drehen (Kerze heraus) — der Motor muss sich gleichmäßig durchdrehen lassen. Festgegangen? Nicht mit dem Anlasser erzwingen; etwas Öl in den Zylinder geben, einige Tage einwirken lassen, erneut vorsichtig probieren. Bleibt er fest: Werkstatt.
  2. Motoröl ablassen und begutachten: milchig = Wasser im Motor, nach Benzin riechend = Kraftstoff über undichte Schwimmernadel ins Kurbelgehäuse gelaufen (Hahn stand offen). Öl, Filter und Sieb wechseln (§ 4).
  3. Alten Kraftstoff restlos entfernen: Tank leeren, Absetzbecher und Sieb reinigen, Tank innen auf Rost prüfen (§ 23, § 24).
  4. Vergaser nach langer Standzeit praktisch immer zerlegen und reinigen (§ 9.2); verharzte Leerlauf- und Starterdüsen sind der Normalfall. Kraftstoffschläuche gleich erneuern (E10-fest).
  5. Luftfilter: alter Schaumstoff zerfällt oft — ersetzen. Luftfilterkasten auf Mäusenester prüfen, ebenso den Auspuff.
  6. Batterie: eine jahrelang stehende Blei-Säure-Batterie ist meist tot. Neu kaufen und voll laden (§ 18). Pole und Masse reinigen.
  7. Zündkerze neu, Kerzenstecker prüfen.
  8. Ventilspiel und Steuerkette prüfen (§ 5, § 6); bei Verdacht auf Verschleiß Kompression messen (Motor § 8).
  9. Erster Start: Starter ziehen, Hahn auf ON, Schwimmerkammer füllen lassen, starten. Sofort nach dem Anspringen den Ölfluss an der Öldruck-Kontrollschraube prüfen (§ 4, Schritt 8). Kein Öl nach 1 Minute → abstellen.
  10. Leerlauf grob einstellen und den Motor nicht lange im Stand laufen lassen (Luftkühlung).
  11. Bremsen: Bremsflüssigkeit komplett wechseln (§ 14), Sattelkolben und Belagstift auf Gängigkeit prüfen; Hinterradbremse zerlegen, Nockenwelle gängig machen und fetten (§ 13).
  12. Reifen: Herstellungsdatum (DOT-Code, z. B. „2319“ = Woche 23/2019) prüfen. Ab etwa 5 Jahren jährlich auf Risse und Verhärtung prüfen, spätestens nach 8–10 Jahren ⚠️ oder bei Rissen ersetzen, auch bei gutem Profil (allgemeine Faustregel, siehe Räder & Reifen). Schläuche gleich mit.
  13. Kette und Kettenrad: steife, rostige Kette ersetzen (§ 11). Gaszug und Kupplungszug schmieren oder ersetzen.
  14. Gabel: Simmerringe auf Undichtigkeit, Gabelöl wechseln (§ 15). Lenkkopflager prüfen (§ 16).
  15. Licht, Blinker, Hupe, Bremslicht prüfen (§ 19).
  16. Papiere: Fahrzeugpapiere, HU-Fälligkeit, ggf. Drosseleintrag prüfen, bevor es auf die Straße geht (Typische Probleme & Kaufberatung § 4).
  17. Erste Fahrten kurz und in der Nähe; danach Öl, Kette, Schrauben (Achsen, Auspuff, Motorhalter) und Undichtigkeiten nachprüfen.

27. Was in die Werkstatt gehört

Die meisten Arbeiten an der SR125 sind selbst machbar. Diese gehören besser zu einem Fachbetrieb oder brauchen eine amtliche Prüfung:

Arbeit Warum
Kurbelwelle zerlegen, Pleuellager, Rundlauf richten gebaute, verpresste Kurbelwelle; Presse und Messmittel nötig (Motor § 4)
Ventilsitze fräsen, Ventilführungen tauschen Spezialwerkzeug, Maßhaltigkeit
Zylinder honen oder auf Übermaß (57,25 / 57,50 mm bzw. 2,254 / 2,264 in) bohren Maschinenarbeit
Kurbelgehäuse teilen (Getriebe, Schaltwalze) machbar, aber aufwendig; widersprüchliche Drehmomente der Gehäuseschrauben erst im Papier-Handbuch klären (Getriebe § 8)
Neuspeichen / Felge zentrieren Zentrierständer und Erfahrung
Rahmen richten, Schweißarbeiten am Rahmen oder Tank Sicherheit, Explosionsgefahr am Tank
Scheinwerfer-Einstellung endgültig prüfen Einstellgerät der Werkstatt/Prüfstelle
Entdrosselung, Übersetzungsänderung, andere Reifengrößen sowie Stahlflex-Leitungen und Nachrüst-Federbeine ohne ABE (nur mit Teilegutachten) Abnahme bzw. Eintragung durch TÜV/DEKRA nötig; ohne sie erlischt die Betriebserlaubnis. Stahlflex-Leitungen und Federbeine mit ABE brauchen keine Eintragung, die ABE wird mitgeführt (Umbauten § 1.1 und § 4.1)
CDI-/Zündungs-Fehler, die nach den Prüfwerten nicht eindeutig sind Prüfwerte der 1996er Elektrik (5H0) nicht gesichert (Bordnetz § 1.2)
  • Faustregel: Wer bei Bremsen, Lenkung oder Achsen unsicher ist, lässt die Arbeit abnehmen (Werkstatt oder erfahrener Schrauber), bevor er fährt.

Quellen

  • Yamaha SR125 Werkstatthandbuch 3MW-AE1 (1997, 3MW6) — manualslib: https://www.manualslib.com/manual/882832/Yamaha-Sr125-1997.html
  • Yamaha SR125 Werkstatthandbuch 3MW-AE1 (1997) — idoc.pub: https://idoc.pub/documents/yamaha-sr125service-manual-3mw-ae1-1997-english-8jlkgm2m07n5
  • Yamaha SR125 (2000) Betriebsanleitung, deutsch — manualslib.de (Bremsflüssigkeitswechsel alle 2 Jahre, Einlagerung S. 68–69; zitiert nach 18): https://www.manualslib.de/manual/836333/Yamaha-Sr125-2000.html
  • eBay-Angebot Yamaha 90890-01311 Ventileinstellwerkzeug (ersetzt YM-08035): https://www.ebay.de/itm/373982801898
  • Laser Tools 6529 Tappet Adjustment Tool for Yamaha (Nachbauwerkzeug): https://www.lasertools.co.uk/product/6529
  • Alle Werte und Abläufe aus den Systemdateien dieser Dokumentation: 00, 01, 02, 04, 05, 06, 07, 09, 10, 11, 12, 13, 14, 15, 16, 18, 19, 20, 22 — dort stehen die jeweiligen Primärquellen.

⚠️ Zu prüfende Angaben

  • Werkzeugnummern — Ventileinstellwerkzeug 90890-01311 und Drehzahlmesser 90890-03113 laut Händlerangaben und Handbuch. Am Papier-Handbuch bestätigen.
  • Zeitangaben und Schwierigkeitsgrade — eigene Schätzung, keine Yamaha-Arbeitswerte.
  • Schlüsselweiten — für die Ablassschraube M35 nicht belegt; für die Achsen (M14) nur aus der allgemeinen Yamaha-Tabelle abgeleitet (19 mm / 0,75 in); am Fahrzeug prüfen.
  • Ölfiltereinsatz 5H0-13440-09 — ob Papier- oder Siebeinsatz, am Teil prüfen (siehe 18).
  • Ölfilterdeckel 7 N·m (5,2 ft·lb) / Ablassschraube B 10 N·m (7,4 ft·lb) — Zuordnung laut Betriebsanleitung 2000 und ausgerichteter Tabelle, in 19 weiter als offen geführt.
  • Ölfilter-Intervall — 12.000 km (7.500 mi) oder bei jedem Ölwechsel.
  • Belagwechsel am 1996er 3MW-Sattel — aus der Teileliste abgeleitet, nicht aus dem Handbuch; Anzugsmoment und Sicherung des Belagstifts nicht belegt.
  • Ritzel-Halteplatte 10 N·m (7,4 ft·lb) — Motortabelle; Kettenkapitel 7–8 N·m (5,2–5,9 ft·lb); Schraubenzahl 2 (Motortabelle) oder 1 (Teilekatalog). Ritzeldeckel 7 N·m (5,2 ft·lb) — Kettenkapitel 10 N·m (7,4 ft·lb).
  • Ansaugstutzen-Schellen — 7 N·m (5,2 ft·lb) laut Kraftstoffkapitel, ≈ 2 N·m (1,5 ft·lb) wahrscheinlicher; Ansaugstutzen → Kopf 10 N·m (7,4 ft·lb); Motortabelle an dieser Stelle spaltenverschoben.
  • Ventilspiel-Intervall — 6.000 km (3.700 mi) ist die Empfehlung aus 18; eine Auslesung nennt nur 1.000 / 12.000 km (620 / 7.500 mi).
  • Schwimmerhöhe des 5N0-Vergasers — nicht belegt; 28,5 mm (1,12 in) gilt für den 4WP-Vergaser.
  • Kettenschloss-Clip Laufrichtung — allgemeine Regel, im Handbuch-Auszug nicht lesbar.
  • Kettenspanner-Einstellung — genaue Kurbelwellenstellung nicht beschrieben.
  • Bedüsung des 5N0-Vergasers (außer Hauptdüse #108) — nicht belegt.
  • Gaszug-Wechsel — Ablauf aus dem Aufbau des Rundschiebervergasers abgeleitet; Befestigung des Gasgriffgehäuses nicht geprüft.
  • Tachowelle oben — Befestigung am Instrument nicht beschrieben.
  • Seitendeckel A/B — Zuordnung rechts/links aus der Betriebsanleitung abgeleitet.
  • Tank entrosten, Reifenalter 8–10 Jahre, Ölwechsel vor dem Winter — allgemeine Werkstattpraxis bzw. Empfehlung, keine Yamaha-Vorgaben. (Das Konservieren des Zylinders stammt aus der Betriebsanleitung 2000.)
  • Hakenschlüssel-Nummer — das Handbuch nennt an zwei Stellen 90890-01403 und 90890-01268.
  • Kraftstoffstands-Messgerät 90890-01312 — Nummer nur einfach belegt.