Zündanlage¶
Die Yamaha SR125 (3MW, Modelljahr 1996) hat eine kontaktlose Kondensator-Hochspannungszündung (CDI) ohne Unterbrecherkontakte und ohne mechanischen Fliehkraftversteller. Die Zündenergie liefert eine Zündspannungsspule (Source Coil, Braun–Grün) in der Lichtmaschine, den Zündzeitpunkt meldet eine Impulsgeberspule (Pickup Coil) am Rotor, und die CDI-Einheit verstellt den Zündzeitpunkt elektronisch. Eine einzelne Zündspule versorgt die eine Zündkerze. Der Zündzeitpunkt ist nicht einstellbar; zur regelmäßigen Wartung gehört nur die Zündkerze. Diese Datei beschreibt Funktionsprinzip, Bauteile, Zündzeitpunkt, Prüfwerte, Zündkerze und Kerzenstecker, die Sicherheitsschaltung (Seitenständer, Kupplung, Leerlauf) und die Fehlersuche.
Primärquelle ist das Yamaha-Werkstatthandbuch SR125 3MW-AE1 (1. Auflage September 1996, gilt für das Modelljahr 1997, 3MW6). Achtung: Laut Teilekatalog wechselten 1997 Lichtmaschine (Stator und Rotor), Impulsgeber, CDI, Zündspule, Kerzenstecker, Regler, Kabelbaum, Zündschloss, Relais (zwei Relais plus Diode → ein Relais), Seitenständerschalter, Lenkerschalter und Anlasser; neu hinzu kam der Thermoschalter der Vergaserheizung (1996: Teile mit Präfix 5H0/3Y6/4BP/12R/4U8/33E; ab 1997: 4WP/4JG/4JP/3MW/55X/29U/3LD). Gleich blieben u. a. Sicherung, Anlasserrelais (bis 1997), Blinkrelais, Hupe, Leerlauf-, Kupplungs- und Bremslichtschalter sowie die Batterie (siehe Ladesystem & Batterie und Bordnetz, Kabelbaum & Sicherungen). Die elektrischen Prüfwerte des Handbuchs 1997 gelten deshalb für die 4WP-/3MW-Teile ab 1997; für die 1996er (5H0-Generation) sind sie nicht gesichert ⚠️.
Siehe auch: Übersicht & Identifikation · Motor · Kraftstoffsystem · Ladesystem & Batterie · Bordnetz, Kabelbaum & Sicherungen · Beleuchtung & Instrumente
1. Systemüberblick¶
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Zündsystem | C.D.I. (Capacitor Discharge Ignition), kontaktlos |
| Energieversorgung der Zündung | Zündspannungsspule (Source Coil, Braun–Grün) in der CDI-Lichtmaschine, Wechselspannung (AC-CDI) ⚠️ (Bauart aus dem Schaltbild abgeleitet, siehe §2) |
| Auslösung | Impulsgeberspule (Pickup Coil), abgetastet am Rotor (Schwungrad) |
| Zündverstellung | elektronisch in der CDI-Einheit („Electrical type“) |
| Zündzeitpunkt | 9° v. OT bei 1.300/min → 29° v. OT bei 5.500/min |
| Einstellbarkeit | keine („Ignition timing is not adjustable“) |
| Zündspule | 1 Stück, Yamaha-Typ 2JN (Handbuch 1997, Teil 4JP-82310-00); 1996er Teilenummer 3Y6-82310-60 ⚠️ |
| Zündkerze | NGK DR8EA, Elektrodenabstand 0,6–0,7 mm (0,024–0,028 in) |
| Kerzenstecker | Kunstharz-Entstörstecker, 10 kΩ (Handbuch 1997) |
| Lichtmaschine | 1996: Stator 5H0-81410-M0 ⚠️ · ab 1997 (Handbuch): CDI-Lichtmaschine Yamaha 4WP, 14 V / 9 A bei 5.000/min |
| Bordspannung | 12 V, Batterie 12N7-3B (12 V, 7 Ah) |
| Hauptsicherung | 20 A (plus Ersatzsicherung 20 A) |
Die Bauteile im Zündstromkreis (laut Schaltbild im Werkstatthandbuch)¶
Das Handbuch nennt im Schaltbild „Zündanlage“ diese Bauteile: CDI-Lichtmaschine, Zündschloss (Main switch), Motorstoppschalter (Engine stop switch), CDI-Einheit, Zündspule, Zündkerze und Seitenständerschalter. Leerlaufschalter, Kupplungsschalter und Leerlaufrelais gehören zum Anlasserstromkreis, wirken aber über den Seitenständer-Zweig auch auf die Zündunterbrechung (siehe §8).
2. Funktionsprinzip¶
- Laden: Beim Drehen des Motors erzeugt die Zündspannungsspule (Source Coil, Kabel Braun – Grün) in der Lichtmaschine eine Wechselspannung von einigen hundert Volt. Die CDI-Einheit richtet sie gleich und lädt damit ihren Zündkondensator.
- Auslösen: Eine Nase am Rotor läuft an der Impulsgeberspule vorbei und erzeugt einen kurzen Spannungsimpuls. Aus dem zeitlichen Abstand der Impulse errechnet die CDI die Drehzahl und verschiebt den Zündzeitpunkt zwischen 9° und 29° v. OT.
- Zünden: Der Thyristor in der CDI entlädt den Kondensator schlagartig über die Primärwicklung der Zündspule (Anschluss Orange). Die Sekundärwicklung transformiert den Impuls auf Hochspannung, und an der Zündkerze springt der Funke über.
- Abschalten: Zündschloss „OFF“, Motorstoppschalter „OFF“ oder die Seitenständer-Unterbrechung (ausgeklappter Ständer bei eingelegtem Gang) legen die Stoppleitung der CDI auf Masse. Dann wird der Kondensator nicht mehr geladen, und der Motor geht aus ⚠️ (übliche Yamaha-Schaltung; Kabelfarbe der Stoppleitung, typisch Schwarz/Weiß, am Fahrzeug prüfen).
Was das für die Praxis bedeutet:
- Da die Zündenergie aus der Zündspannungsspule kommt, braucht die Zündung selbst keinen Batteriestrom. Die Batterie versorgt Anlasser, Licht, Blinker, Hupe und Relais. ⚠️ Ob die SR125 mit ganz leerer Batterie angeschoben anspringt, hängt zusätzlich von der Leerlaufrelais-/Seitenständerlogik ab und wurde nicht verifiziert. Da die 3MW laut Handbuch keinen Kickstarter hat, ist Anschieben der einzige Notstart.
- Mechanisch verstellt sich nichts: kein Fliehkraftversteller, keine Unterbrecherkontakte, keine Einstellschlitze. Stimmt der Zündzeitpunkt nicht, ist ein Bauteil defekt (Impulsgeber, CDI, Rotor-Passfeder), und das Handbuch verlangt dann die Prüfung der Zündanlage.
3. Bauteile und Teilenummern¶
Die Teilenummern stammen aus dem Yamaha-Teilekatalog für die SR125 1996 (3MW5) auf yamaha-parts.ca (französischer Katalog). Vor der Bestellung immer mit dem eigenen Modellcode (Aufkleber unter der Sitzbank) gegenprüfen ⚠️.
| Bauteil | Einbauort | Kennung / Teilenummer | Anmerkung |
|---|---|---|---|
| CDI-Lichtmaschine, Stator komplett (Ladespule und Zündspannungsspule; Impulsgeber separat) | linker Kurbelgehäusedeckel | Stator 5H0-81410-M0-00 ⚠️ (ab 1997: 4WP-85510-00) | Leistung der 5H0-Ausführung nicht belegt; 4WP: 14 V / 9 A bei 5.000/min |
| Impulsgeberspule (Pickup/Pulser) | am Stator bzw. Deckel, gegenüber dem Rotor | 5H0-85580-M0-00 ⚠️ (ab 1997: 4JG-85580-01) | einzeln erhältlich |
| Rotor (Schwungrad) | Kurbelwellenstumpf links | 5H0-81350-M0-00 (Katalog „Complete unit“, vermutlich Rotor ⚠️) (ab 1997: 4WP-85550-00) | trägt die Zündmarke und die Gebernase |
| CDI-Einheit („Ignition control unit“) | unter Sitzbank/Seitendeckel ⚠️ | 5H0-82305-M0-00 ⚠️ (ab 1997: 3MW-85540) | laut Katalog nicht mehr lieferbar |
| Zündspule | unter dem Tank am Rahmen ⚠️ | 3Y6-82310-60-00 ⚠️ (ab 1997: 4JP-82310-00, Handbuch: Typ 2JN) | Primäranschluss Orange |
| Zündkabel (Hochspannungskabel) | Zündspule → Kerzenstecker | 4X7-82341-00-00 ⚠️ | separates Teil, Stecker aufgeschraubt |
| Kerzenstecker | Zündkerze | 4BP-82370-00-00 ⚠️ (ab 1997: 55X-82370-00) | Kunstharz, 10 kΩ (Handbuch 1997) |
| Zündschloss | Lenkkopf | 5H0-82510-01-00 (ab 1997: 4WP-82510-01) | OFF / ON / LOCK |
| Motorstoppschalter | rechte Lenkerarmatur | — | Teil der rechten Lenkerarmatur (Lenkerschalter 1997 geändert, siehe 06) |
| Seitenständerschalter | am Seitenständer | 33E-82566-00-00 (ab 1997: 3LD-82566-70) | Zündunterbrechung, siehe §8 |
| Leerlaufrelais, Diode | Elektrikfach | Relais 12R-81950-01-00 bzw. 4U8-81950-02-00 ⚠️ · Diode 3WP-81980-00-00 ⚠️ | Funktion der beiden „Relay Assembly“-Positionen nicht geklärt; das Blinkrelais ist ein eigenes Teil (3Y8-83350-21), ab 1997 ein einziges Relais 29U-81950-93 (siehe Bordnetz, Kabelbaum & Sicherungen) |
Hinweis zu den Teilenummern: Das Präfix 5H0 wird der XT125 von 1982 zugeordnet. Das ist nur ein Indiz für eine Verwandtschaft mit der XT125, keine belegte Herkunft ⚠️. Die 5H0-Nummern wurden in der 3MW weiterverwendet (bei der Zündanlage bis 1996) und sagen nichts darüber, ob ein Teil „alt“ oder „falsch“ ist (siehe README → Teiletausch).
4. Zündzeitpunkt¶
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Grundzündzeitpunkt | 9° v. OT bei 1.300/min |
| Maximale Frühverstellung | 29° v. OT bei 5.500/min |
| Verstellart | elektronisch (CDI) |
| Leerlaufdrehzahl zur Prüfung | 1.250–1.350/min |
| Einstellbarkeit | nicht einstellbar |
| Prüfintervall | nicht im Wartungsplan; nur bei Störungen |
Prüfen mit der Stroboskoplampe¶
Werkzeuge laut Handbuch: Stroboskoplampe 90890-03141 und Drehzahlmesser 90890-03113, da die SR125 keinen Drehzahlmesser hat. Jede handelsübliche Induktions-Stroboskoplampe und ein Induktions-Drehzahlmesser tun es auch.
- Motor warmfahren. Alle Steckverbindungen der Zündanlage auf festen Sitz und Korrosion prüfen, denn das Handbuch verlangt das ausdrücklich vor der Messung.
- Kontrollschraube (Timing check plug) im linken Kurbelgehäusedeckel (Lichtmaschinendeckel) herausdrehen. Die Zündzeitpunkt-Seite des Handbuchs beschreibt die Lage nicht; die Ventilspiel-Prozedur nennt das Kontrollloch mit Schraubstopfen im linken Kurbelgehäusedeckel (siehe 01 Motor → Steuerzeiten-Markierungen).
- Stroboskoplampe mit dem Induktionsclip an das Zündkabel klemmen, Drehzahlmesser anschließen.
- Motor im Leerlauf bei 1.250–1.350/min laufen lassen.
- Prüfen, ob die feststehende Marke am Deckel innerhalb des Zündbereichs auf dem Rotor steht.
- Liegt die Marke außerhalb: nicht „einstellen“ (es gibt nichts einzustellen), sondern die Zündanlage prüfen (§5). Mögliche Ursachen sind ein defekter Impulsgeber oder eine defekte CDI. Auch eine abgescherte Passfeder am Rotor verschiebt die Marke.
-
Kontrollschraube mit intaktem O-Ring handfest einschrauben ⚠️ (Anzugsmoment nicht eindeutig belegt, siehe „Zu prüfende Angaben“).
-
Frühverstellung beobachten: Bei langsamem Gasgeben muss die Marke gleichmäßig in Richtung „früh“ wandern. Springt der Zündzeitpunkt oder bleibt er stehen, deutet das auf die CDI oder den Impulsgeber hin.
- OT finden (z. B. für das Ventilspiel): Dafür gibt es eine eigene OT-Marke auf dem Rotor. Details in 01 Motor.
5. Prüfwerte (Werkstatthandbuch 3MW-AE1)¶
Alle Widerstände bei 20 °C (68 °F). Gemessen wird mit einem Vielfachmessgerät im Ohm-Bereich (Yamaha „Pocket Tester“ 90890-03112) an abgezogenen Steckverbindern. Die Sollwerte entsprechen jeweils dem Nennwert ±20 %.
| Prüfung | Messpunkte / Kabelfarben | Sollwert |
|---|---|---|
| Zündfunkenstrecke (Mindestwert) | Zündtester 90890-06754 statt Kerze | ≥ 6 mm (0,24 in) |
| Kerzenstecker | Kerzenseite ↔ Kabelseite | 10 kΩ |
| Zündspule, Primärwicklung | Anschluss Orange ↔ Masse der Zündspule | 0,32–0,48 Ω |
| Zündspule, Sekundärwicklung | Zündkabel (ohne Stecker) ↔ Masse/Orange ⚠️ | 5,68–8,52 kΩ |
| Impulsgeberspule | Weiß (+) ↔ Rot (−) am Pickup-Stecker ⚠️ (Datenblatt: „Red – White“) | 656–984 Ω (Seite 204 druckt 659–984 Ω) |
| Zündspannungsspule (Source Coil) | Braun (+) ↔ Grün (−) | 624–936 Ω |
| Ladespule (Charging Coil, Bordnetz; nur zum Vergleich) | Weiß ↔ Weiß | 0,48–0,72 Ω |
| Regler, geregelte Spannung (Ladespannung) | an der Batterie, bei 5.000/min | 14,5 V (siehe 05) |
Prüfreihenfolge laut Handbuch („keine oder aussetzende Zündfunken“)¶
Vorher Seitendeckel links und rechts, Sitzbank, Tank und Scheinwerfereinsatz abbauen. Dann in dieser Reihenfolge prüfen:
- Zündkerze (Typ, Elektrodenabstand, Zustand)
- Zündfunkenstrecke mit dem Zündtester
- Widerstand des Kerzensteckers
- Zündspule (primär und sekundär)
- Widerstand der Impulsgeberspule
- Widerstand der Zündspannungsspule (Source Coil)
- Zündschloss (Durchgang)
- Motorstoppschalter (Durchgang)
- Seitenständerschalter (Durchgang)
- Alle Steckverbindungen der Zündanlage nach Schaltplan
- Ist alles in Ordnung: CDI-Einheit ersetzen (sie ist das Ausschlussergebnis und wird nicht direkt gemessen)
Hinweise zur Messung:
- Funkenprobe ohne Spezialtester: Kerze in den Stecker, die Kerze mit einer isolierten Zange halten oder mit einer Masseklemme so befestigen, dass das Kerzengewinde fest an blankem Motormetall anliegt, und den Anlasser betätigen. Der Funke muss kräftig blau sein. Ein Einstellfunkenstreckentester (6 mm / 0,24 in) ist aussagekräftiger, weil er die Zündung unter Last prüft.
- ⚠️ Nie ohne Masseverbindung starten: Die CDI-Hochspannung sucht sich sonst einen Weg über die Zündspule oder die CDI und kann sie beschädigen. Ebenso gefährlich für den Menschen: Kerze und Kerzenstecker beim Prüfen nie mit der bloßen Hand halten.
- Spitzenspannungen (Peak Voltage) für Impulsgeber und Zündspannungsspule nennt das Handbuch der 3MW nicht. Wer mit einem Peak-Voltage-Adapter misst, hat keine Sollwerte und kann nur mit einem gesunden Fahrzeug vergleichen ⚠️.
- Temperatur beachten: Wicklungen haben warm einen höheren Widerstand. Wer ein Problem „nur bei heißem Motor“ sucht, misst am besten einmal kalt und einmal direkt nach dem Abstellen.
6. Zündkerze¶
6.1 Typ, Maße und Alternativen¶
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Serienkerze | NGK DR8EA |
| Gewinde / Gewindelänge | M12 × 1,25, 19 mm (0,75 in) ⚠️ (Maße laut NGK-Katalogangaben) |
| Schlüsselweite | 18 mm (0,71 in) — Kerzenschlüssel aus dem Bordwerkzeug oder 18-mm-Kerzennuss |
| Dichtsitz | Flachdichtung (Dichtring) |
| Entstörwiderstand | ja („R“ im Typ) |
| Elektrodenabstand | 0,6–0,7 mm (0,024–0,028 in), mit Draht-Fühlerlehre messen |
| Anzugsmoment | 18 N·m (13 ft·lb) (Werkstatthandbuch) · Betriebsanleitung 2000: 17,5 N·m (12,9 ft·lb) |
| Ohne Drehmomentschlüssel | handfest eindrehen, dann ¼ bis ½ Umdrehung weiter (Betriebsanleitung) |
| Prüfen / reinigen | alle 6.000 km (3.700 mi) oder 6 Monate |
| Ersetzen | ⚠️ Intervall im Handbuch-Auszug nicht gefunden; üblich sind 12.000 km (7.500 mi) bzw. nach Zustand |
| Hersteller | Gleichwertiger Typ | Anmerkung |
|---|---|---|
| NGK | DR8EA | Serie |
| NGK (Iridium) | DR8EIX ⚠️ | längere Lebensdauer; Elektrodenabstand gleich einstellen |
| Denso | X24ESR-U ⚠️ | laut Vergleichstabellen |
| Champion | RA6HC / RAX94C ⚠️ | Vergleichstabellen uneinheitlich |
| Bosch | XR4DC bzw. XR5CC ⚠️ | Vergleichstabellen uneinheitlich; vor dem Kauf die Maße (Gewindelänge 19 mm, SW 18 mm) prüfen |
6.2 Wärmewert¶
- DR8EA ist die Serienkerze für den normalen Betrieb in Stadt und auf der Landstraße.
- Eine Stufe heißer (DR7EA) kann bei viel Kurzstrecke im Winter helfen, wenn die Kerze verrußt ⚠️ (nicht im Handbuch freigegeben).
- Eine Stufe kälter (DR9EA) ist nur bei Dauervollgas, z. B. auf langen Autobahnetappen, sinnvoll ⚠️ (nicht im Handbuch freigegeben).
- Ein falscher Wärmewert kann bis zum Glühzündungs-Kolbenschaden führen. Im Zweifel bei der DR8EA bleiben und die Ursache für Verrußen oder Überhitzen im Gemisch suchen (siehe 02 Kraftstoffsystem).
6.3 Kerzenbild lesen¶
| Kerzenbild | Bedeutung | Mögliche Ursache |
|---|---|---|
| Isolator mittel- bis hellbraun („medium-to-light tan“) | Normal | — |
| Schwarz, trocken, rußig | Gemisch zu fett | Starterkolben hängt, Luftfilter verschmutzt oder zu nass geölt, Schwimmerstand zu hoch, Hauptdüse zu groß |
| Schwarz, ölig-nass | Öl im Brennraum | Kolbenringe, Ventilschaftdichtungen, Ölstand zu hoch |
| Weiß / hellgrau, Elektrode angeschmolzen | Zu mager oder zu heiß | Falschluft am Ansaugstutzen, zu kleine Hauptdüse (Achtung bei Drosselversionen mit geänderter Bedüsung), falscher Wärmewert, Zündzeitpunkt zu früh |
| Gelblich-braune Ablagerungen | Kraftstoff-/Ölzusätze | meist harmlos; Kerze reinigen oder ersetzen |
6.4 Wechsel: Tipps¶
- Vor dem Ausdrehen den Kerzenschacht mit Druckluft ausblasen, damit kein Schmutz in den Zylinder fällt.
- Die neue Kerze von Hand einschrauben. Der Zylinderkopf ist aus Aluminium und das M12-Gewinde ist schnell zerstört.
- Nur bei kaltem Motor wechseln. Warm ist das Aluminiumgewinde weicher und die Kerze sitzt fester.
- Kupferpaste auf dem Gewinde ist unter Schraubern verbreitet, im Handbuch aber nicht vorgesehen. Wer sie verwendet, zieht etwas weniger fest an ⚠️.
7. Kerzenstecker und Zündkabel¶
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Kerzenstecker | Kunstharz (Resin), 10 kΩ Entstörwiderstand |
| Befestigung am Zündkabel | aufgeschraubt (nicht gesteckt) |
| Zündkabel | separates Teil (4X7-82341-00 ⚠️) |
- Abnehmen: Den Stecker gegen den Uhrzeigersinn abdrehen, nicht am Kabel ziehen.
- Aufsetzen: Laut Handbuch das Zündkabel etwa 5 mm (0,2 in) abschneiden, damit der Stecker auf frisches Kupfer schraubt, dann im Uhrzeigersinn fest aufdrehen.
- Ein unterbrochener oder hochohmiger Stecker ist ein häufiger Grund für Zündaussetzer. Stecker kosten wenig; bei unklaren Aussetzern zuerst den Stecker messen (10 kΩ) oder tauschen.
- Nachrüststecker (z. B. NGK LB05EMH, 5 kΩ) passen in der Regel ⚠️. Den Serienwert von etwa 10 kΩ nicht durch einen widerstandslosen Stecker ersetzen, denn das stört die CDI und das Radio anderer Verkehrsteilnehmer.
8. Sicherheitsschaltung: Zündschloss, Stoppschalter, Seitenständer, Kupplung, Leerlauf¶
Die SR125 hat ein „Zündunterbrechungs- und Anlasssperrschalter-System“ (Betriebsanleitung). Es verbindet Anlasser- und Zündstromkreis.
8.1 Wann dreht der Anlasser? (Werkstatthandbuch, „Starting circuit operation“)¶
Zündschloss ON und Motorstoppschalter RUN vorausgesetzt, dreht der Anlasser nur, wenn eine der beiden Bedingungen erfüllt ist:
| Bedingung | Geschlossene Schalter |
|---|---|
| A — Getriebe im Leerlauf | Leerlaufschalter → Leerlaufrelais geschlossen |
| B — Gang eingelegt, Kupplung gezogen und Seitenständer hochgeklappt | Kupplungsschalter und Seitenständerschalter geschlossen |
8.2 Wann geht der Motor aus?¶
- Zündschloss auf OFF oder Motorstoppschalter auf OFF
- Gang eingelegt und Seitenständer ausgeklappt → der Motor stirbt ab (Betriebsanleitung: „Seitenständer ausklappen. — Motor stirbt ab.“)
8.3 Funktionsprüfung (nach Betriebsanleitung)¶
- Motorrad sicher aufbocken, sodass das Hinterrad frei ist (Hauptständer oder Montageständer).
- Zündschloss auf ON, Motorstoppschalter auf RUN.
- Gang einlegen und Seitenständer hochklappen.
- Kupplung ziehen und den Starterknopf drücken → Motor springt an = Kupplungsschalter in Ordnung.
- Mit gezogener Kupplung und eingelegtem Gang den Seitenständer ausklappen → Motor stirbt ab = Seitenständerschalter in Ordnung.
- Gegenprobe Sperre: Motor aus, Gang eingelegt, Seitenständer hochgeklappt, Kupplung nicht gezogen → Starterknopf drücken: Der Anlasser darf nicht drehen. Dreht er, ist der Kupplungsschalter (oder das Leerlaufrelais) dauerhaft geschlossen.
- Gegenprobe Seitenständer: Gang eingelegt, Kupplung gezogen, Seitenständer ausgeklappt → Der Anlasser darf nicht drehen.
- Leerlaufstart (Bedingung A): Leerlauf einlegen, Kupplung nicht gezogen → Der Anlasser muss drehen = Leerlaufschalter und Leerlaufrelais in Ordnung.
- Stimmt etwas nicht: Schalter und Leerlaufrelais prüfen (Durchgangsprüfung im Werkstatthandbuch, Kapitel „Switch inspection“; siehe Bordnetz, Kabelbaum & Sicherungen).
Die Schritte 6–8 stehen nicht in der Betriebsanleitung; sie folgen aus der Schaltlogik in §8.1.
⚠️ Nicht überbrücken: Einen defekten Seitenständerschalter zu überbrücken ist weit verbreitet, aber das Losfahren mit ausgeklapptem Ständer ist eine klassische Sturzursache in Linkskurven. Den Schalter ersetzen oder reinigen.
9. Fehlerdiagnose¶
| Symptom | Wahrscheinliche Ursachen (in dieser Reihenfolge prüfen) |
|---|---|
| Kein Funke, Anlasser dreht | Motorstoppschalter auf OFF oder verschmutzt · Seitenständerschalter (bei eingelegtem Gang) · Kerzenstecker (10 kΩ?) · Zündkerze defekt oder abgesoffen · Steckverbindungen Impulsgeber/Zündspannungsspule/CDI · Impulsgeber (656–984 Ω) · Zündspannungsspule (624–936 Ω) · Zündspule · zuletzt CDI |
| Anlasser dreht nicht | kein Zündungsproblem: Batterie, 20-A-Sicherung, Anlasserrelais, Leerlaufrelais/Leerlaufschalter, Kupplungsschalter, Seitenständerschalter (siehe §8.1 und 06) |
| Schwacher, gelber Funke | Kerzenstecker hochohmig · Zündkabel angegriffen (Kabel 5 mm kürzen, neu aufschrauben) · Zündspule (Sekundärwicklung) · Masseverbindung der Zündspule korrodiert |
| Aussetzer unter Last / bei Regen | Kerzenstecker oder Zündkabel mit Kriechströmen (im Dunkeln bei laufendem Motor nach Funkenüberschlag suchen) · Kerze verschlissen · Wärmewert falsch |
| Motor geht beim Einlegen des 1. Gangs aus | Seitenständer ausgeklappt oder Seitenständerschalter defekt/verschmutzt · Leerlaufrelais |
| Motor geht heiß aus, springt nach dem Abkühlen wieder an | Impulsgeber oder CDI mit thermischem Fehler (kalt und heiß messen) · Zündspule · auch an Kraftstoff denken: Tankentlüftung, Benzinhahn/Sieb, Vergaser-Schwimmernadel (siehe 02 Kraftstoffsystem) |
| Motor stirbt beim Überfahren von Bodenwellen ab | Wackelkontakt: Zündschloss, Motorstoppschalter, Seitenständerschalter-Stecker, Massekabel · Wackeltest am laufenden Motor |
| Zündzeitpunkt außerhalb des Bereichs | Impulsgeber (Befestigung; Luftspalt zum Rotor — kein Sollwert belegt ⚠️) · Rotor verdreht (Passfeder) · CDI |
| Keine Frühverstellung, Leistungsmangel oben heraus | CDI · vorher Vergaser/Drossel ausschließen (siehe 02) |
Allgemeine Tipps:
- Die meisten Zündprobleme alter SR125 sind Steckverbindungen, Schalter und Kerzenstecker — nicht die CDI. Stecker öffnen, mit Kontaktspray reinigen und dünn mit Polfett schützen.
- Die CDI zuletzt verdächtigen: Sie wird im Handbuch nur durch Ausschluss diagnostiziert. Neue Original-CDIs sind kaum noch lieferbar (Teilekatalog: „not available“). Nachbau-CDIs sollten den Zündverlauf 9° → 29° nachbilden ⚠️.
- Gebrauchte Tauschteile: Die Zündanlage blieb nur innerhalb einer Generation gleich: bis 1996 die 5H0-Teile (für 1992 und 1996 belegt), ab 1997 die 4WP-/3MW-Teile ⚠️. 1997 wechselten Stator, Rotor, Impulsgeber, CDI, Zündspule und Kerzenstecker (siehe §3). Teile zwischen 1996 und 1997 nur nach geprüfter Teilenummer tauschen.
10. Kurzübersicht¶
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Zündsystem | CDI, kontaktlos, elektronische Verstellung |
| Zündzeitpunkt | 9° v. OT bei 1.300/min → 29° v. OT bei 5.500/min, nicht einstellbar |
| Zündkerze | NGK DR8EA · Abstand 0,6–0,7 mm (0,024–0,028 in) · 18 N·m (13 ft·lb) |
| Prüfwerte unten | Handbuch 1997 (4WP-/3MW-Teile ab 1997); für die 1996er (5H0-Teile) nicht belegt ⚠️ |
| Kerzenstecker | 10 kΩ, aufgeschraubt |
| Zündspule | 2JN · primär 0,32–0,48 Ω · sekundär 5,68–8,52 kΩ |
| Impulsgeber | 656–984 Ω (Weiß/Rot) |
| Zündspannungsspule (Source Coil) | 624–936 Ω (Braun/Grün) |
| Funkenstrecke | ≥ 6 mm (0,24 in) |
| Sicherheitsschaltung | Seitenständer-Zündunterbrechung bei eingelegtem Gang; Start im Leerlauf oder mit gezogener Kupplung und hochgeklapptem Ständer |
Quellen¶
- Yamaha SR125 Service Manual 3MW-AE1 (1997, 1. Auflage 09/1996) — manualslib, Elektrik-Spezifikationen S. 33: https://www.manualslib.com/manual/882832/Yamaha-Sr125-1997.html?page=33
- dto. — Zündkerzen-Prüfung S. 53 und Zündzeitpunkt-Prüfung S. 54: https://www.manualslib.com/manual/882832/Yamaha-Sr125-1997.html?page=54
- dto. — Zündanlage: Schaltbild S. 200, Fehlersuche S. 201–205: https://www.manualslib.com/manual/882832/Yamaha-Sr125-1997.html?page=201
- dto. — Anlasserstromkreis und „Starting circuit operation“ S. 206–207: https://www.manualslib.com/manual/882832/Yamaha-Sr125-1997.html?page=207
- Yamaha SR125 Service Manual 3MW-AE1 (1997) — idoc.pub (Elektrik-Daten, Drehmomente): https://idoc.pub/documents/yamaha-sr125service-manual-3mw-ae1-1997-english-8jlkgm2m07n5
- Yamaha SR125 (2000) Betriebsanleitung, deutsch — manualslib.de (Zündkerze, Seitenständer-/Kupplungsschalter-Prüfung): https://www.manualslib.de/manual/836333/Yamaha-Sr125-2000.html
- yamaha-parts.ca — Teilekatalog SR125 1996 (3MW5), Ignition: https://www.yamaha-parts.ca/yamaha-motorcycle/125-MOTO/1996/SR/SR125/IGNITION/27_2658-2658/B31/0/6988
- yamaha-parts.ca — Teilekatalog SR125 1996 (3MW5), Electrical 1: https://www.yamaha-parts.ca/yamaha-motorcycle/125-MOTO/1996/SR/SR125/ELECTRICAL-1/27_2658-2658/B38/0/6988
- supercheapauto.co.nz — NGK DR8EA (Gewinde, Gewindelänge, Schlüsselweite): https://www.supercheapauto.co.nz/p/ngk-ngk-spark-plug---dr8ea/731430.html
- biketeile-service.de — Denso X24ESR-U (Vergleichstypen): https://www.biketeile-service.de/en/rollerscooterparts/electric/sparkplugignitioncoil/sparkplugdensox24esrudsx24esru.html
- Scribd — Spark Plug Cross Reference (Vergleichstabelle): https://www.scribd.com/document/393308452/SparkPlug-CrossReference-Updated-123015-7
⚠️ Zu prüfende Angaben¶
- Gültigkeit für 1996: Alle Prüfwerte stammen aus dem Handbuch 3MW-AE1 für das Modelljahr 1997 (3MW6). Laut Teilekatalog hat die 3MW5 von 1996 aber andere Lichtmaschine (Stator, Rotor, Impulsgeber), CDI, Zündspule, Kerzenstecker, Regler, Anlasser, Kabelbaum, Zündschloss, Relais, Seitenständerschalter und Lenkerarmaturen (5H0-Generation; vollständige Liste in 06 §1.2). Ob die Sollwerte passen, ist offen; Prüfwerte für die 5H0-Teile wurden nicht gefunden.
- AC-CDI-Bauart und Stoppleitung: Dass die Zündung von der Zündspannungsspule versorgt wird, folgt aus dem Datenblatt (Source Coil Braun–Grün). Die Masseschaltung der Stoppleitung (typisch Schwarz/Weiß) und das Verhalten beim Anschieben mit leerer Batterie wurden nicht am Schaltplan bzw. Fahrzeug verifiziert.
- Impulsgeber-Sollwert und Kabelfarben: Datenblatt S. 33 nennt 656–984 Ω (Rot–Weiß), die Prüfseite S. 204 druckt 659–984 Ω und beschreibt Weiß (+) / Rot (−). 656 Ω entspricht dem Nennwert 820 Ω −20 % und ist vermutlich richtig.
- Sekundärwicklung, Messpunkte: genaue Tester-Anschlüsse (Zündkabel gegen Masse oder gegen Orange) im Handbuch-Auszug nicht eindeutig.
- Kontrollschraube Zündzeitpunkt: Lage im linken Kurbelgehäusedeckel laut Ventilspiel-Prozedur (siehe 01); Anzugsmoment nicht eindeutig. Ein Handbuch-Auszug ordnet 18 N·m (13 ft·lb) der Kontrollschraube zu, die Drehmomenttabelle nennt für „Timing check plug“ M6, 7 N·m (5,2 ft·lb); beides kann Übertragungsfehler sein. Bis zur Klärung handfest mit intaktem O-Ring.
- Zündkerzen-Wechselintervall: Nur „prüfen/reinigen alle 6.000 km (3.700 mi)“ ist belegt; ein Wechselintervall wurde nicht gefunden.
- Kerzen-Vergleichstypen: Denso X24ESR-U gut belegt; Champion- und Bosch-Äquivalente in den Vergleichstabellen uneinheitlich. Iridium DR8EIX nicht vom Hersteller für die SR125 freigegeben.
- Wärmewert-Empfehlungen DR7EA/DR9EA: allgemeine Faustregel, nicht aus Yamaha-Unterlagen.
- Teilenummern und Einbauorte: aus dem französischen 1996er Katalog (1997er Nummern aus dem Katalog 3MW6, siehe 06). Die Zuordnung der Position 5H0-81350-M0 (vermutlich Rotor), der beiden „Relay Assembly“-Positionen und die Einbauorte von CDI und Zündspule sind nicht geprüft.
- Nachrüst-Kerzenstecker NGK LB05EMH: Passform nicht am Fahrzeug bestätigt.
- Spitzenspannungen: keine Yamaha-Sollwerte für die 3MW gefunden.
- Luftspalt Impulsgeber–Rotor: kein Sollwert gefunden; ob er einstellbar oder durch die Befestigung fest vorgegeben ist, ist offen.
- Funktionsprüfung der Sicherheitsschaltung: Laut Teilekatalog 1996 hat die SR125 zusätzlich zum Seitenständer einen Hauptständer (5H0-27111-00); damit lässt sich die Prüfung mit freiem Hinterrad durchführen. Ob jedes Exemplar ihn noch hat, am Fahrzeug prüfen.